00:00:02: Menschenrechte
00:00:03: nachgefragt.
00:00:04: Der Interview-Podcast
00:00:05: der politischen Meinung und der Konrad Adenauer Stiftung, heute mit... Mein Name ist Wenzel Michalski.
00:00:12: Ich bin in Hamburg geboren und habe in Heidelberg und Hamburg Geschichte studiert.
00:00:19: Danach war ich zwanzig Jahre lang Journalist, danach vierzehn Jahre lang ... Direktor, Deutschlanddirektor von Human Rights Watch und bin seit Mai, im Jahr twenty-fünfundzwanzig Geschäftsführer vom Freundeskreis Yad Vashem.
00:00:32: Ich habe drei Kinder.
00:00:34: Meine Frau ist Engländerin.
00:00:35: alle drei Kinder leben mittlerweile in London.
00:00:39: Herzlich willkommen lieber Wenzel.
00:00:41: wir kennen uns aus Deiner Vergangenheit.
00:00:44: Jetzt mit Erweiter von Human Rights Watch.
00:00:46: Du hast mir im Vorgespräch aber verraten, dass auch die Familiengeschichte äußerst interessant ist.
00:00:52: Es gibt ein Buch.
00:00:53: Das Buch hat dein Vater Franz geschrieben.
00:00:56: Was kannst du uns aus der Familiengeschicht erzählen?
00:01:01: Also meine Großmutter war Jüdin Mein Großvater war schlesischer Katholik Und die haben neunzehntetreiunddreißig geheiratet und seitdem wurde es dann immer schlimmer mit der Verfolgung.
00:01:15: Mein Großvater wurde gedrängt, sich von seiner Frau scheiden zu lassen.
00:01:20: Das hat er nicht getan und dann mussten sie spätestens seit twoinen vierzig immer wieder untertauchen zum Teil in Berlin die Kram aus Breslau aber auch anderen Gegenden.
00:01:33: und ab nineteen hundert vierzig oktober nineteen vierzig genau zum zehnten Geburtstag meines Vaters wird es immer brenzlicher Und da haben sie tatsächlich ihre Ausweispapiere vernichtet und sind gänzlich untergetaucht.
00:01:48: Und haben nur überlebt mithilfe von nicht-Jüdischen Freunden und Bekannten, die jetzt auch zum Teil als Gerechte unter den Völkern in Yad Vashem anerkannt sind.
00:02:00: Dein Vater hat am Hoch geschrieben?
00:02:02: Ja, als Digistapo an der Haus Tür klingelte.
00:02:05: Die letzte Station ihrer Flucht war an einem deutsch-tschechischen ... an der tschechischen Grenze in Herrn Skretschen, jetzt Rendscho.
00:02:16: Heißt das ist gleich an der Grenze dort?
00:02:18: An der Elbe.
00:02:18: Dann kam die Russen.
00:02:20: Das war die Befreiung sozusagen und eigentlich wollten meine Großeltern dann in Tschechien bleiben.
00:02:27: Denn ihre Heimat Breslau war auch nicht mehr.
00:02:31: aber ihm wurde gesagt ihr seid Deutsche also egal ob er jetzt im Widerstand wart oder untergetaucht war.
00:02:39: Oder jüdisch seid, ihr müsst hier
00:02:40: verschwinden.".
00:02:41: So sind sie dann nach Berlin gekommen mit einem Flüchtlings-Track wie alle anderen Deutschen auch.
00:02:47: Dein Vater ist leider verstorben hat aber als Zeitseuge gearbeitet.
00:02:50: deine Mutter macht das jetzt weiter hast du mir erzählt?
00:02:53: Wie sehr hat dich diese Familiengeschichte motiviert von Human Rights Watch zum Freundeskreis etwas schäm zu wechseln?
00:03:02: Sehr stark allerdings Die Familiengeschichte schon motiviert für den Schritt davor, nämlich zu Human Rights Watch.
00:03:12: Meine Familiengeschicht hat immer mein Interesse an Menschenrechten und solchen Themen geweckt.
00:03:21: Wahrscheinlich bin ich deswegen auch Journalist geworden um über ähnliche Dinge zu berichten allerdings als die Menschenrechtsorganisation, wenn man das pauschal sagen kann zumindest die großen Menschenreichtsorganisationen in den letzten Jahren sich ideologisiert haben.
00:03:38: mit dieser komischen Post-Krylonialen Theorie.
00:03:42: Und einem dahergehenden, wachsenden Antisemitismus war es für mich eigentlich nicht mehr tragbar bei Human Rights Watch zu sein.
00:03:49: und der siebte Oktober und die darauf fehlende oder aus meiner Sicht auch dann falsche, später falsche Reaktion der Menschenrechtsorganisation inklusive Human Rights Dann war ich frei.
00:04:09: Irgendwann kam der Anruf von Kai Dieckmann, dem Vorsitzenden des Freundeskreises Yad Vashem.
00:04:15: Er hat gefragt, du bist frei?
00:04:18: Hättest du
00:04:18: Interesse?".
00:04:19: Ich habe sofort Ja gesagt.
00:04:21: Das knüpft direkt an meine Familiengeschichte.
00:04:25: Wie ich vorhin gesagt hab sind diejenigen, die meine Großeltern, meinen Vater und mein Onkel gerettet haben ... anerkannt als Gerechte unter den Völkern.
00:04:36: Ohne die würde es mich nicht geben und insofern ist Yad Vashem für mich eigentlich wie eine Heimat, die ich vielleicht so als Nachfahre von solchen Leuten wie meine Eltern, wie meinen Vater, wie meine Großeltern nie empfunden
00:04:57: hatte.".
00:04:58: Vielen Dank.
00:04:58: Du hast es schon angesprochen, diesen Titel der ja auch ab und zu mal in den Medien auftaucht Gerechte unter den Völkern.
00:05:07: Was müssen wir überhaupt über Yad Vashem wissen?
00:05:10: Was bedeutet Yad vashem?
00:05:12: was bedeutet diese Ehrung?
00:05:14: gerecht unter den völkeren?
00:05:16: wer wird geerrt?
00:05:18: Also Yad Va Shem bedeutet denen ermordeten ein Ort zu geben an gedenkort und den Namen zu nennen, damit diese Menschen, die ermordet worden sind nicht vergessen werden.
00:05:31: Und deren Geschichte nicht vergessen wird.
00:05:34: Die Aufgabe, die sich Jad Vashem gestellt hat war das Leben dieser Menschen zu erforschen.
00:05:41: wie war es vor der Schuhe?
00:05:43: Wie war's während der Schohe?
00:05:45: Und wie ging's danach für die Überlebenden weiter?
00:05:48: Die Gerechten unter den Vögern... Das sind solche Leute, Einsatz ihres Lebens oder aber auch unter dem Risiko, also den riesengroßen Risiko selber verfolgt zu werden.
00:06:02: Selber hingerichtet zu werden und nicht nur sie sondern ihre ganze Umgebung die verwandten noch mit trotzdem Juden das Leben gerettet haben.
00:06:12: es sind also ganz besondere Menschen gewesen falsch ich korrigiere mich.
00:06:18: Es waren ganz normale Menschen die etwas ganz besonderes geleistet haben.
00:06:26: diese Ehrung, die findet statt in vielen europäischen Ländern.
00:06:32: In den meisten europäischen Länder bezeichnenderweise viel häufiger als in Deutschland weil es mehr Gerechte oder mehr solche Leute gibt außerhalb Deutschlands als in Deutschlands selber.
00:06:44: klar das folgt der Täter dass in so einer großen Zahl die Verfolgung und Ermordung der Juden Mitgemacht
00:06:53: hat.
00:06:54: Gibt es da eine Zahl, wie viele Menschen geährt wurden mit diesem Titel?
00:07:00: Insgesamt kann ich jetzt nicht sagen aber es fing an in der Anfangszeit in den fünftiger, sechziger Jahren mit Bäumen dass jeder gerechte unter den Völkern ein Bäumchen bekommen hatte das da gepflanzt wurde.
00:07:14: und mittlerweile sind Es eben so viele dass es Steintafeln gibt
00:07:19: In
00:07:20: denen die Namen der gerechten Jetzt eingemeißelt sind.
00:07:24: Aber wenn man da ist und
00:07:26: ich
00:07:27: hoffe, dass viele Zuhörerinnen und Zuhörer da mal hinfahren und hinreisen wird man sehen wie viele Namen zum Beispiel unter dem Land Frankreich stehen und wie relativ wenige Namen unter dem land Deutschland stehen.
00:07:43: Du hast jetzt diese Arbeit oder Aufgabe seit einem guten Jahr.
00:07:48: Was ich einen anderen Interview entnehmen konnte, war dein erster Auftrag nach Israel zu fahren und in Yad Vashem sozusagen deine Arbeit zu besprechen, deinen Auftrag zu besprechen.
00:08:01: Was kannst du uns darüber sagen?
00:08:03: Wie sieht Yad vashem diese Aufgabe die du jetzt erfüllst in Deutschland?
00:08:10: was ist dein Auftrag?
00:08:12: Mein Auftrag ist, ganz einfach gesagt Jadwa Schem in seiner Arbeit zu unterstützen.
00:08:19: Das machen wir indem wir Fundraising machen und Events organisieren.
00:08:26: Das sind zum Beispiel Ausstellungen.
00:08:29: oder aber auch neulich haben wir ein Buch veröffentlicht das wir hier präsentiert haben in Berlin und über das auch viel berichtet worden ist, nach so viel Schmerz und Pein.
00:08:40: Erste Priefe nach dem Holocaust.
00:08:43: Darüber können wir vielleicht gleich noch mal sprechen, indem wir jetzt auf Lesetour durch Deutschland gehen.
00:08:47: Das heißt, wir wollen die Sichtbarkeit von Yad Vashem erhöhen damit das Thema lebendig bleibt in einer Zeit, in der eben alles Jüdische mittlerweile in vielen Teilen unter Generalverdacht gestellt wird oder aber auch ignoriert werden.
00:09:08: Das
00:09:11: ist eine Sammlung von Briefen, die Überlebende geschrieben haben.
00:09:16: Meistens an Angehörige, aber oft auch an entfernte Bekannte, weil es gar keine Angehürigen mehr gab.
00:09:23: Von denen sie wussten, dass sie's ins Ausland geschafft haben um ein erstes Lebenszeichen zu geben.
00:09:30: Um
00:09:31: aber vielleicht ... schon kurz zu schildern, was so passiert ist in der Zeit der Shoa.
00:09:38: Um
00:09:38: mitzuteilen wer alles ermordet worden ist.
00:09:42: und das sind wirklich sehr herzzerreißende bewegende Briefe die sofort nach dem Ende des Holocausts für die individuellen Enden des Holocaust entstanden sind.
00:09:57: Das sage ich deswegen weil viele ja schon neunzeitereinvierzig im Osten von den Russen, von der Roten Armee befreit worden sind und andere eben bis zum bitteren Ende durchharren mussten.
00:10:09: Und das heißt die Zeit der Briefe umfasst, neunzigzehn dreiundvierzig bis neunzensechsund vierzig.
00:10:15: Es sind aber jeweils immer die ersten Lebenszeichen, die ganz ungefiltert und auch noch sehr wenig reflektiert berichten über ihre Gefühle und was passiert ist.
00:10:28: Und über die Hoffnungen, wie es jetzt im Leben weitergehen soll?
00:10:32: Das sind einmalige Zeugnisse, die man sonst nicht hat.
00:10:37: Denn die Überlebenden von denen wir wissen, die Zeitzeugen, die meisten haben erst sehr viel später in ihrem Leben darüber berichtet.
00:10:45: Wie zum Beispiel mein Vater, der erst nach seiner Pensionierung damit an die Öffentlichkeit gegangen ist Also schon als älterer Mann.
00:10:56: Und das war da eben nicht der Fall und deswegen sind es wertvolle Zeugnisse, gerade in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen gibt.
00:11:04: Gab es in diesen Briefen eine bestimmte Hoffnung?
00:11:09: Dass es besser wird für die Menschen?
00:11:14: oder wie hast du diese Briefe empfunden?
00:11:17: War das eher eine Verzweiflung und pessimistischer Ausblick in die Zukunft?
00:11:22: Da gibt es eigentlich alles in diesen Briefen.
00:11:24: Es gibt Verzweifelte, es gibt Menschen die flehen ihre verwandten.
00:11:31: Bitte helft mir zu euch zu kommen.
00:11:33: ich bin einsam.
00:11:35: ältere Frauen haben geschrieben Mütter älteren Müttern die überlebt haben und deren Kinder und Enkelkinder umgebracht worden sind Und die vielleicht noch eine Schwester hatten irgendwo im Ausland oder dies geschafft hatte.
00:11:46: bitte hilft mir hier rauszukommen.
00:11:48: Ich halte es nicht mehr aus.
00:11:49: ein Akademiker ein Ingenieur aus Berlin, der seinen ehemaligen Professor nach Israel geschafft hat.
00:11:58: Also damals Panistina!
00:12:00: Bitte helfen Sie mir hier rauszukommen.
00:12:02: ich schaffe es nicht mehr.
00:12:03: Bis hin zur Hoffnung in Israel eine neue Heimat zu finden und diese Hoffnung ja mit einer Art Optimismus verbunden ist aber gleichzeitig mit dem Bewusstsein Wie lange es noch dauern wird und wie beschwerlich ist, hier zu sein.
00:12:24: Und bis man dann da hinkommt... ...denn es gab ja viele Widerstände von den Besatzungsmächten vor allem von den Engländern,... ...dass die Menschen nach Israel kommen konnten bzw.
00:12:34: Palästina natürlich.
00:12:35: Aber auch dem Bewusstsein, wie schwer der Neuanfang sein wird in Israel.
00:12:40: also das ist nicht so.
00:12:41: ich bin jetzt befreit.
00:12:42: danach Da fahre ich hin nach Palästina und dann geht es gut, denn auch diese Leute haben eben schon gehört von den Kriegen.
00:12:53: Die ist damals eben schon nur vor.
00:12:55: Nünzeundachtundvierzig den Überfällen oder den Massagan an Juden gab.
00:13:00: Es gibt so ein Spruch man wollte uns vernichten.
00:13:03: wir haben überlegt nun lasst uns etwas essen.
00:13:07: Ist diese Stimmung, die ja sehr optimistisch ist?
00:13:11: Ist das auch schon in diesen ersten Briefen nach der Schuhe und im Holocaust?
00:13:16: Ist diese stimmung auch schon?
00:13:18: Teilweise vorhanden, dass man so sagt okay wir sind da.
00:13:22: Wir sind Überlebende?
00:13:24: oder war das noch nicht in den Briefen zu spüren?
00:13:28: Dass man sich bewusst war, dass eine absolute Katastrophe Vernichtung des europäischen Judentums ein historisches Ereignis überstanden hatte.
00:13:40: War das eher eine sehr individuelle... Äußerung, die sich in diesen Briefen sozusagen finden lässt.
00:13:47: Also noch nicht das ganze Komplex.
00:13:49: Heute wird ja eher die Schuhe Holocaust als Gesamtereignis gesehen.
00:13:55: und dass ihn wie du oben fällt teilweise ein bisschen unter den Tisch wenn man über die enormen Ausmaße der Vernichtung...
00:14:06: Nein!
00:14:07: Das war noch zu früh.
00:14:09: also das waren wirklich erste Zeichen, hallo ich lebe und so geht es mir jetzt.
00:14:17: Da hat man noch nicht gedacht, huf überlebt und jetzt kommt das Essen.
00:14:21: also jetzt wollen wir Wohlstand und Sicherheit uns erschaffen.
00:14:25: die Leute waren doch völlig geschockt von dem was passiert ist.
00:14:29: Die hatten zum Teil Ganz ganz ganz niedrige Erwartungen.
00:14:35: Also wir haben in Briefen Schilder rum.
00:14:47: Wir haben jetzt zu essen, also nicht so und jetzt kommt das Essen.
00:14:52: Sondern die waren schon froh, dass sie etwas zu essen hatten.
00:14:56: Und haben dann auch ganz bescheiden gesagt mir geht es jetzt gut ich habe genügend zu essen.
00:15:03: aber Wenn wir das heute uns vorstellen, was damals genügend war.
00:15:08: Die Leute haben beschrieben, dass sie nur noch thirty-four Kilo wiegen oder so.
00:15:12: Also die waren wirklich am Ende.
00:15:14: Oder Sie waren froh, dass Sie für Ihr Kind ein Mantel bekommen hatten mitten im Winter und Das war der Standard damals.
00:15:27: also es war wirklich Noch.
00:15:29: diese Briefe sind wirklich noch Berichte Zeugnisse aus dem Elend und der Katastrophe gerade noch so entkommen seint, aber noch in großer Erschöpfung.
00:15:48: Finden sich derartige Zeugnisse auch in Yad Vashem selbst?
00:15:51: Das sind alles Briefe die in Yadd Vashems gesammelt worden sind.
00:15:55: Und Yad Vaashem hat ein riesiges unterirdisches ... Klimatisiertes und irgendwie mit Sauerstoff geregeltes modernes Archiv, in der solche Zeugnisse Artifakte lagern.
00:16:11: Und es kommen immer mehr.
00:16:13: also jetzt gerade wo die Zeitzeugen immer mehr sterben leider finden dann Angehörige im Keller oder so plötzlich zwischen Büchern oder so Manuskriptetagebuch Eintragungen Gegenstände aus der Zeit und wenden sich an Yad Vashem.
00:16:34: Die erste Ausgabe des Buches ist auf Englisch erschienen, das war vor zehn Jahren.
00:16:39: Und seitdem hat Yad Vaashem schon wieder so viele bedeutsame Briefe gesammelt, dass sogar jetzt nach einer weiteren Edition nachgedacht wird.
00:16:55: Das bedeutet, vielleicht Nachlässe erbt von Verstorbenen?
00:17:02: Oder wie bekommen Yad Vashem diese Dokumente.
00:17:07: Manche vererben das oder andere bringen es tatsächlich nach Yad Va Shem Reisen, von den USA oder woanders nach Yadd Va ShEM und haben etwas im Gepäck.
00:17:18: Da fragen vielleicht, woher nach könnt ihr das gebrauchen?
00:17:22: Und dann wird das da gesprochen.
00:17:25: und das sind alles wertvolle Stücke, ich würde mal sagen fast Beweissstücke gegen diejenigen, die behaupten es habe ist nicht gegeben oder die Behaupten das sei eigentlich so schlimm gewesen.
00:17:40: Du hast gesagt dass deine Aufgabe ist Yad Vashem zu unterstützen.
00:17:44: Das klingt so schon nach einer großen Aufgabe wenn man mal in Yad Vaashem war und weiß was für enorme Dimensionen Yad vaashem hat.
00:17:55: Jetzt gibt es im aktuellen Koalitionsvertrag in der Bundesregierung ein Absatz, in dem auch die Unterstützung der Bundesregierung für einen Yad Vashem Bildungszentrum angesprochen wird.
00:18:11: Was kannst du uns zum Sachstand dieses Koalationsvertragsversprechens sagen?
00:18:17: Wie weit seid ihr mit der Planung eines Bildungscentrums bis heute vorangekommen?
00:18:23: Also es geht voran, das ist schon mal die gute Nachricht.
00:18:26: Wir haben uns jetzt entschieden dieses Zentrum in München und Leipzig anzusiedeln.
00:18:32: erstmal der Auftrag ist es allerdings nicht nur in diesen Regionen zu bleiben sondern nach ganz Deutschland auszustrahlen eventuell später auch in anderen Regionen, Städten und Deutschland präsent zu sein.
00:18:46: aber jedenfalls sind das dann Einrichtungen für alle Zielgruppen in ganz Deutschland gedacht Und aber auch ins benachbarte Ausland.
00:18:55: Da boten sich diese beiden Städte natürlich sehr gut an, ihr Arnähe zur Tschechischen Republik zu Polen, Österreich, Stichwort Mauthausen und so weiter und sofort.
00:19:07: Schweiz, die ja viele aufgenommen hat oder auch wiederum die meisten nicht aufgenommen haben.
00:19:15: Diese ganzen Geschichten müssen natürlich aufgearbeitet werden.
00:19:19: Es ist also ein Deutschland- Projekt und wir hoffen, dass es in anderen Ländern dann auch Nachahmung findet.
00:19:28: Jetzt sind wir gerade dabei oder wir Kollegen von Yad Vashem in Jerusalem die letzten Vereinbarungen zu besprechen mit den beiden Bundesländern Sachsen und Bayern Und die durften demnächst dann Unterschriftreif sein.
00:19:44: und dann geht Es auch an die Konzeptionierung an den Inhalt.
00:19:49: wie soll's jetzt eigentlich da weitergehen?
00:19:51: die entsprechenden Gebäude müssen entsprechend umgebaut werden, Seminarräume eventuell auch Ausstellungen.
00:20:02: Das kann man sich so ganz gut vorstellen.
00:20:05: Bis es dann soweit ist das dauert ein paar Jahre, werden wir aber schon anfangen.
00:20:09: also je nach Möglichkeit je nach Räumlichkeiten die dann schon fertig sind diese zur Verfügung stehen würden wir dann schon richtig anfangen mit unserer Arbeit.
00:20:19: im Prinzip Ist es eine Fortführung der Arbeit von Yad Vashem, die es vorher schon gab.
00:20:25: Wir hatten immer eine Bildungs-Expertin, mittlerweile eine zweite Bildungsexpertin hier in Deutschland, die seit Jahren Polizisten, Lehrer, Juristen ausgebildet haben im ganz Deutschland und auch Seminare veranstaltet haben in Yad Vaashem selber?
00:20:46: Ein anderer Schritt den wir jetzt gerade machen ist oder ich sage immer wir Eigentlich ist das Yad Vashem, wir sind ja nur der Freundeskreis in den Unterspitzen.
00:20:55: Aber die ganz inhaltliche intellektuelle Arbeit kommt natürlich von Yad vashem – das sind die Experten!
00:21:01: Ist es jetzt unseren möglichen Partnern, die wir in Deutschland haben werden mitzuteilen wo wir gerade stehen aber auch zu hören was die von uns erwarten.
00:21:16: und das machen wir in verschiedenen Zoom-Konferenzen.
00:21:20: Wir veranstalten auch eine große Stakeholder-Konferenz Anfang des Jahres hier in Berlin.
00:21:27: Es werden jetzt auch schon Polen reisen, also zu den Lagern organisiert erst mal für die Regierung, die Beamte der Regierung Sachsen und Bayern damit sie auch erstmal sehen erfahren worum es eigentlich geht.
00:21:48: Und es steht auch noch eine größere Israel-Reise an für genau diese Zielgruppe, damit die Yad Vashem kennenlernen.
00:21:57: Sachsen, Bayern, Urbane, Räume im Westen und im Osten – die Politik der DDR und der Bundesrepublik gegenüber dem Staat Israel.
00:22:09: Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Schrohr war auch sehr unterschiedlich.
00:22:16: Wirkt sich das bis heute auf eurer Arbeit?
00:22:18: aus, bekommst du das in der Bildungsarbeit mit?
00:22:23: Ob ihr in Leipzig oder München oder im Westen oder im Osten mit Schülern und so weiter sprecht.
00:22:30: Gibt es da noch Unterschiede?
00:22:31: oder ist Deutschland jetzt feiern wir?
00:22:34: Sechsunddreißig Jahre deutsche Einheit.
00:22:35: in diesen Tagen ist Deutschland nach sechsen dreißig Jahren auf dieser Ebene.
00:22:40: wenn es um historische Aufarbeitungsfragen, Zeitzeugengespräche usw.
00:22:45: geht sind wir da schon zusammengewachsen.
00:22:49: Es gibt noch sehr große Unterschiede.
00:22:51: Und das war genau auch der Grund, warum Yad Vashem in Leipzig eine Stelle dieses Zentrums einrichten wird und zwar wurde uns das sich verteilt einer Delegation oder mehrerer Delegations die in den Bundesländern gefahren sind als wir noch auf der Suche nach der Location waren.
00:23:14: Unter anderem waren wir auch zweimal Leipzig.
00:23:17: Und da wurde auch den Kolleginnen und Kollegen aus Jerusalem, die vorher Deutschland vielleicht gar nicht so gut kannten schon sehr klar, dass es große Unterschiede gibt.
00:23:29: Die Erinnerungskultur ist ja eigentlich eine westdeutsche Geschichte.
00:23:34: Das fing dann in den Siebziger-, Achtziger- und neunziger mehr an aber in der DDR ... gab es so etwas nie.
00:23:43: Also wenn es jüdische Widerstandsgruppen gab, dann wurden derer gedacht aber als sozialistische oder kommunistischen Widerstandsgruppen wie zum Beispiel die Gruppe Baum.
00:23:55: Das war ja eine kommunistische Gruppe Aber es war vor allem eine jüdischer Gruppe.
00:24:02: Es gab keine Stolpersteine, es gab keine Gedenken.
00:24:07: Man wollte nicht.
00:24:09: Sie hat ein spezielles Gedenken- oder Gedenkkultur, die sich konzentriert auf die verfolgten Juden haben in der DDR.
00:24:20: Und das wird von vielen jetzt heute noch aus Deutschland, von vielen Gesprächspartnern immer noch schmerzlich vermisst.
00:24:30: Insofern haben wir da noch viel zu tun und ich denke diesen jüngsten Skandal um die Stolpersteine in Heidenau ... wäre so in Westdeutschland nicht passiert.
00:24:42: Es gibt da noch immer eine Art Rohrgefühlslosigkeit, was dieses Thema betrifft.
00:24:48: Sonst hätte ich mir auch gar nicht vorstellen können, dass ausgerechnet die CDU so quasi bedenkenlos jedenfalls nichts von irgendwelchen Bedenken bekannt dem AfD-Antrag zugestimmt
00:25:02: hätte.".
00:25:03: Du hast das jetzt auf den Punkt gebracht, dass es tatsächlich zwischen Ost und West auch aus historischen Gründen Unterschiede gibt die auch mit vierzig Jahre DDR Ideologie zu tun haben.
00:25:14: Die DDR hatte ja auch fast bis zum Ende keine diplomatischen Beziehungen mit Israel wie sie nimmst du das war?
00:25:22: Das wir uns jetzt immer intensiver politischen Forderungen nach einem Schlussstrich, also der sogenannten Schlussstrichebatte auseinandersetzen müssen was auch mit den stärker werdenden feing-auch rechten Rändern in der deutschen Politik zu tun hat.
00:25:39: Die ganz Deutschland mittlerweile betreffen.
00:25:42: Wie nimmst du diese Diskussion um die Schlussstrichen?
00:25:45: Debatte gerade vor dem Hintergrund war das ihr von Jadwa Shemya.
00:25:49: daran arbeitet die Erinnerung wach.
00:25:52: Wie herausfordernd erlebst du diese Debatte tatsächlich in deiner tagtäglichen Arbeit?
00:26:00: Die Herausforderung war immer schon da.
00:26:04: Also die Schlussstrichdebatte fing an, als schon der erste jüdische Mensch anfing daran zu erinnern was da passiert ist.
00:26:14: Ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern in den siebziger Jahren damals schon mit Schüler gesagt haben, also warum?
00:26:23: und auch die Lehrer.
00:26:24: Ja ja das ist alles wollen wir mal nicht.
00:26:26: Also ich selber hatte im Geschichtsunterricht die Nazizeit überhaupt nicht.
00:26:31: in Baden-Württemberg hatten wir die Weimar Republik dann war das Jahr zu Ende waren die Sommerferien und danach ging es mit der Gründung der Bundesrepublik unter DDR weiter und dazwischen war da gar nichts.
00:26:45: Und jetzt allerdings sind diejenigen, die so einen Schlussstrich fordern noch organisierter als früher.
00:26:57: Nämlich in der AfD.
00:27:00: Die AfD ist die stärkste Partei und das macht mir unglaublich große Sorgen wie es da eigentlich weitergeht.
00:27:07: Das macht unsere Arbeit umso wichtiger bekommt fast schon so einen kämpferischen Ansatz.
00:27:14: Man muss darum kämpfen um die Erinnerung, das was zum Beispiel die AfD in Sachsen-Anhalt schon geäußert hat nämlich dass man den Schulunterricht völlig anders gestalten möchte und statt Holocaust lieber an die Heldentaten eines Bismarck erinnern möchte der zeigt wohin der Weg gehen soll.
00:27:40: dem müssen wir uns entgegenstellen und selbst wenn wir jetzt nicht aktiv uns als Widerständler sehen, werden wir es doch de facto dadurch.
00:27:51: Gleichzeitig sehen wir einen sehr offener geäußerten Antisemitismus von der Linken, der auch die ganze Geschichte der Shoa zumindest verwässern will durch die verrückte postkoloniale Idee, die den Juden und den Israelis zuschreibt Teil eines Kolonialsystems zu sein.
00:28:19: Also auf der Seite des Bösen zu stehen Und die ganzen Fragen, die damit zusammenhängen Den ganzen Kontext ausblenden.
00:28:28: Im Gegenteil Es gibt dieses Motto in diesen Weiten weiten Kreisen Ich glaube Wissenschaftler Dirk Moses hat dieses Motto mal formuliert, free Palestine from German guilt.
00:28:44: Also befreie Palästina von deutscher Schuld.
00:28:49: Das heißt ja nichts anderes als jetzt lass das mal mit dem Gedenken und mit euren komischen Schuldgefühlen wobei eigentlich jeder der noch alle Tassen im Schrank hat heutzutage überhaupt nicht mehr von Schuld sprechen kann.
00:29:03: Auch da ist es perfide und völlig blämbläm, aber bedeutet im Grunde genommen nichts anderes auch als ein Schlussstrich.
00:29:11: also wir haben diese Schlussstriche.
00:29:13: Forderung von links von rechts und von allen Institutionen Organisationen NGOs die in diesem Rahmen dieser Parteien sich ansiedeln wird das wiederholt.
00:29:29: Wir sehen auch bei vielen Medien mittlerweile Tendenzen, die diese postkolonialen Theorien in ihrer Berichterstattung über Israel umzusetzen.
00:29:43: Es hat sich Gott sei Dank noch nicht verfestigt das Gedenken an Holocaust.
00:29:51: Im Gegenteil, da haben wir eigentlich in letzter Zeit sehr viel Unterstützung auch mediale Unterstützung bekommen.
00:29:58: also die Berichterstattung zum Beispiel über die Premiere dieses Buchs war fantastisch.
00:30:04: es wurden eigentlich in allen seriösen Medien ob Print Radio Fernsehen online darüber ausführlich und sehr gut berichtet.
00:30:15: wie sehr hat sich der Siebter Oktober, der sich jetzt auch in diesen Tagen zum dritten Mal jährt und die anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen auf eure Arbeit sowohl in Israel als auch auf eure Bildungsarbeit in Deutschland ausgewirkt.
00:30:32: Kannst du dazu was sagen?
00:30:34: Ja also meine Kollegen und Kolleginnen Israel schwärmen von der Zeit vor der Pandemie Als es viele Besuchergruppen gab aus ganz Europa, aber auch natürlich sehr vieler aus Deutschland.
00:30:47: Abgeordnete Lehrergruppen die Seminare machten Richter, Polizisten und so weiter... Die nach Yad Vashem gekommen sind Touristen sich das angeschaut haben Aber auch diese Lehrgänge und Weiterbildungs-Seminare gemacht haben.
00:31:03: Dann kam die Pandemie dann blieb das alles aus?
00:31:07: Dann dauerte es nicht so lange bis der siebte Oktober da war.
00:31:13: Und das heißt, seitdem sieht man eigentlich einen wahnsinnigen Schwund an Besuchergruppen hinzukommen natürlich auch Budgetkürzungen in den Haushalten die solche Reisen gefördert haben.
00:31:28: und insofern hat er siebter oktober mit dem darauf folgenden Krieg wahnsinnigen Angriffen aus dem Gasastreifen von der Hisbollah und dann natürlich auch vom Iran aus.
00:31:43: In einer gefährlichen Situation in Israel für alle, die dort leben oder die alle dort hinfahren dazu geführt dass es jetzt sehr wenige Besucher gibt Und das hoffen wir wird wieder aufleben und wir hoffen auch Dass die Bildungszentren in Deutschland auch dafür sorgen können, dass wieder ein neues Interesse entfacht wird.
00:32:07: Aber es hängt natürlich sehr davon ab wie die Sicherheitslage gerade ist und wenn das Außenministerium aus wertiger Amt eine Reisewarnung größert dann können Abgeordnete oder Staatsbedienstete Beamte im öffentlichen Dienst da nicht hinreisen Und das ist natürlich ein großes Problem.
00:32:29: verständlich aber Das Bildungszentrum soll die Reisen nach Israel nicht ersetzen.
00:32:38: Aber die Idee kam eben, das war noch vor dem siebten Oktober auch unter dem Eindruck des Coronavirus und der Pandemie, dass man eben auch wenn die Leute schon nicht zu einem kommen, man zu den Leuten hin muss.
00:32:54: Es ist also etwas Zusätzliches ein zusätzliches Angebot.
00:32:59: Dieser Band, der jetzt von euch veröffentlicht wurde mit den Briefen die achtzig Jahre und älter sind als erste schriftliche Zeugnisse der Holocaust-Überlebenden weisen ja sehr stark auch auf die Bedeutung hin, die tatsächlich die Zeitzeugendokumente ausmachen.
00:33:20: Und wir sind jetzt in einer Zeit wo viele Zeitzeugen über hundert Jahre alt sind oder auch bereits verstorben sind.
00:33:28: Wie setzt ihr euch auch methodisch damit auseinander, dass Zeitzeuge bald gar nicht mehr in Schulen gehen können sondern das man dann mit anderen Methoden auf die Schüler zugehen muss um ihnen diese historischen Ereignisse zu vermitteln?
00:33:48: Zum einen gehen wir nicht an Schulen.
00:33:51: Also, Yad Vashem bildet Lehrer weiter fortaus.
00:33:58: Wir kümmern uns also um die Multiplikatoren aus dem einfachen Grund dass wir gar nicht die Kapazitäten haben an die Schulen zu gehen.
00:34:08: und ja das ist eine wahnsinnig große Herausforderung vor der auch Yad vashem in Jerusalem selbst steht.
00:34:15: natürlich hinzukommt der demografische Wandel dass wir hier in Europa immer mehr Menschen haben, die hier leben.
00:34:26: Die aufgewachsen sind in Ländern mit der Shoa direkt oder zumindest aus deren Sicht nichts zu tun hatten.
00:34:35: Auf diese muss man zugehen.
00:34:38: Das gilt übrigens auch für Yad Vashem in Israel.
00:34:42: Da gibt es sehr viele Nachfahren von irakischen, tunesischen und syrischen ... Marokkanischen Juden, die Schuwa so nicht erlebt haben wie die europäischen Juden.
00:34:55: Und da gibt es ganz neue pädagogische Ansätze und auch Ausstellungsansätze.
00:35:01: Ich habe so eine gesehen.
00:35:03: Da gibt's ein großes Ausbildungszentrum in Negev.
00:35:06: Das ist das erste Bildungszentrem von Yad Vashem außerhalb von Jerusalem.
00:35:15: In Deutschland ist es das erste außerhalb Israels, aber auch dort versucht Yad Vashemov, wo Israel so ein kleines Land ist doch nach außen zu gehen.
00:35:25: und dort habe ich eine ganz neumodische fantastische immersive Ausstellung erfahren, wo junge Leute die selber aus ihren eigenen Familien nicht mit diesen Erzählungen aufgewachsen sind sofort Empathie und auch ein Wissen empfangen können.
00:35:46: Das hätte ich mir vorher gar nicht so vorgestellt, dass es so geht.
00:35:49: Und zwar sind ja immer mehr Menschen auch nicht mehr gewillt lange Texte zu lesen durch die Social Media.
00:35:57: Dort wird mit relativ wenig Worten aber viel Bildern und Musik und selber interaktiven Geschichten... Die Geschichte von einzelnen Personen, man kann sich da Personen aussuchen.
00:36:13: Von denen man erfahren will wird erzählt wie es eben war für diese Menschen vor der Schuhe während der Schuar und danach falls es für die dann auch weiter ging.
00:36:24: Und das sind die Dinge die wir heute machen müssen.
00:36:29: Wir können junge Menschen nur erreichen indem wir anhand von einzelnen Beispielen, an einzelnen Biografien erzählen was diesen Menschen passiert ist damit die sich identifizieren können.
00:36:44: Das geht nicht über Statistiken oder so grausam Die auch sind die Zahlen das kann sich eh keiner vorstellen sondern wirklich über das einzelne Schicksal hinaus.
00:36:56: und das ist ja auch das was die Zeitzeugen verkörpert haben eigens erlebten Geschichte erzählt.
00:37:05: und jeder, der das Glück hatte in seiner Schule oder woanders auch einen Vortrag eines Zeitzeugen einer Zeitzeugin erlebt zu haben wird es für sein Leben nicht vergessen.
00:37:18: Meine Eltern die ja von Schule zur Schule gegangen sind und auch sonst öffentliche Vorträge gehalten haben dazu.
00:37:26: Die haben gesagt wir hoffen dass wir dadurch die Kinder gegen Judenhass geimpft haben.
00:37:32: Wir haben in der letzten Zeit immer wieder auch davon gehört, dass in Buchenwald und den anderen Gedenkstätten Vorkommens zu waren von teilweise sehr jungen Schülern die sich völlig unangemessen verhalten haben.
00:37:45: Das ist ja auch Ausdruck von Empathielosigkeit In vielen Fällen Und ich habe überlegt Ist das vielleicht für viele Schüler Die sich jetzt gar nicht so viel Geschichte interessieren?
00:37:57: Ist diese Konfrontation mit den Vernichtungslagern und mit diesem enormen Ausmaß an Tötungen, ist das eine emotionale Überforderung?
00:38:10: Müssten die Schüler vielleicht auch vorher pädagogisch anders vorbereitet werden damit es gar nicht zu so einem emotionalen einer negativen Reaktion kommt.
00:38:23: Wie würdest du das ... beschreiben, was muss passieren damit sich die Menschen tatsächlich angemessen verhalten?
00:38:31: Was muss auch von den Lehrkräften, die teilweise ja anscheinend auch nicht.
00:38:35: Die Schüler vernünftig darauf vorbereiten auf solche schwere Themen.
00:38:41: Was muss da noch geschehen auch von eurer Seite aus vielleicht?
00:38:44: Ja deswegen wird hier ein Bildungszentrum eingerichtet, dass ich natürlich zu einem großen Teil an Lehrerinnen und Lehrer wendet
00:38:57: um
00:39:00: die zu ermächtigen einen vernünftigen Geschichtsunterricht eine vernünftig Schoerbildung weiterzutragen.
00:39:10: Denn auch die Lehrerinnen sind ja jung im historischen Marschlapp gesehen jetzt, die natürlich alle sehr viele Jahre, Jahrzehnte nach der Schoa geboren sind.
00:39:24: Man sieht aber natürlich das dort wo sich Lehrer ganz besonders für dieses Thema engagieren Die Schülerinnen und Schüler ganz anders auf diese Geschichte blicken.
00:39:36: Nicht umsonst werden solche Lehrerin und Lehrer immer wieder auch mit Preisen geährt wie zum Beispiel der Obermeier Award.
00:39:46: Da war ich letztes Jahr dabei, als der Obermeyer Award verliehen worden ist an Lehrer auch hier in Brandenburg.
00:39:57: Eine Lehrerin die sich unglaublich eingesetzt hat, die eben auch außerhalb des normalen Schulunterrichts zu Workshops angeboten hat und so.
00:40:06: Und da merkt man dann auch die Dankbarkeit, dass Schülerinnen diesen besonderen Eindruck oder den besonderen Unterricht hatten ist natürlich auch, kann man jetzt nicht so allgemein verlangen.
00:40:20: Dass das alle Lehrerinnen sich so verhalten.
00:40:25: Aber dass doch zumindest ein vernünftiger Unterrichter über die Zahlen und über das auswendig lernen von irgendwelchen Ereignissen hinausgeht.
00:40:35: Damit die Schüler nicht von vornherein sagen, ja genau so betrachten wir mal das römische Kaiserreich oder die französische Revolution Merk dir die Daten, sondern dass es wirklich eine empathischere Herangehensweise braucht.
00:40:53: Denn wenn das nicht passiert und unsere Jugend in der Beziehung immer mehr abstumpft, ablehnend ist und verrott, dann muss man was ändern – genau deswegen sind wir hier!
00:41:09: Was passiert jetzt, die einen Achtzig Jahre nach dem Ende der Shore?
00:41:14: Genau das sind die Fragen, der sich etwa Chemie stellt.
00:41:18: Deutschland hat ja in der eigenen Wahrnehmung auch aber auch in der internationalen europäischen Wahrnehnung oft das Image dass man sich gut mit der eigenen Vergangenheit auseinander gesetzt hat.
00:41:35: Solche Sachen wie Holocaust waren mal hier im Herzen von Berlin auch Ausdruck dessen sind, dass man sehr offen für diese Aufarbeitung ist.
00:41:45: Wie stellt sich das in deiner Weihnehmung aus israelischer Perspektive und aus der Arbeitsperspektive von Yad Vashemdar?
00:41:54: Teilt man da sozusagen diesen Optimismus, dass ein sehr viel Gutes erreicht hat in den letzten Jahrzehnten oder sieht man das etwas... differenzierter oder kritischer?
00:42:07: Also Jettwaschem arbeitet in vielen verschiedenen europäischen Ländern und da gibt es sehr viele tolle Aktivitäten, was das Thema betrifft.
00:42:23: In Frankreich mit sehr vielen Ehrungen von Gerechten zum Beispiel Oder ein Großbritannien, die eine fantastische Abteilung haben im Imperial War Museum über die Shore.
00:42:40: Und da ist Deutschland bestimmt.
00:42:44: so ungefähr schwimmt somit.
00:42:47: Aber ich glaube das ist eher eine Sache, die wir Deutschen uns gerne selber sagen Wir machen ja so viel Stolpersteine, das dezentrale Gedenken.
00:43:07: Initiativen in ganz Deutschland auch auf zivilgeschaftlicher Ebene.
00:43:16: Institute an Universitäten, Historiker, Gedenkstätten ... Das ist alles da!
00:43:26: Aber es konnte nicht verhindern dass jetzt Populisten von links und rechts gewählt werden denen das alles am liebsten piep egal sei.
00:43:36: Also insofern hat wahrscheinlich die Gedenkkultur nicht so viel beigetragen, wie man sich das wünschen könnte auf der anderen Seite.
00:43:50: Und so sieht man es auch in Israel.
00:43:53: Was wäre passiert, wenn das alles nicht gewesen wäre?
00:43:55: Was wurde dadurch bis jetzt verhindert?
00:43:59: und gerade die neueste Geschichte ... Heidenau mit dem Bann Verbot Stolpersteine weiterhin auszulegen und der Verbannung des Gedenkens ausgerechnet auf den Friedhof der Stadt.
00:44:18: Zynischer geht es kaum noch, das wird in Israel sehr groß.
00:44:22: darüber wurde sehr groß berichtet um meine Kolleginnen und Kollegen.
00:44:26: die waren richtig geschockt dass sowas passieren kann.
00:44:30: nun kann man von Stolperstein halten, was man will.
00:44:34: Also zum Beispiel Schollotte Knobloch die Chefin der jüdischen Gemeinde in München und Oberbayern ist sehr gegen die Stolperssteine aber sie isst für ein zentrales Gedenken das halt dann eben an solchen Dellen entsprechende Tafeln angebracht werden.
00:44:51: Das ist also unterschiedliche Sichtweisen.
00:44:55: Aber hier in Sachsen wird ja in dieser Stadt in Sachsens dass zentrale Gedenken abgeschafft.
00:45:06: Und das auf den Friedhof zu verbannen, also etwas Schreckliches kann ich mir kaum vorstellen weil da eben gezeigt wird so hier ist Ruhe jetzt herrscht hier was das gedenken betrifft friedrufs ruhe neben dem kriegsgräber denkt mehr malen vielleicht ja unsere gefallenen aus von fourteen bis neunzehnt acht zehn und solchen geschichten steht dann dann so ein stein dar.
00:45:31: Das ist furchtbar und führt auch zu einer großen Empörung unter meinen Kollegen.
00:45:59: Denkst du, werden für eure Arbeit im Jubiläumsjahr relevant sein?
00:46:04: Was hast Du Dir persönlich vorgenommen für Deine Arbeit im Freundeskreis?
00:46:08: Also in Prinzip ist es ja eher ein Rundergeburtstag.
00:46:13: In keinem Jubileum sehen wir das jedenfalls.
00:46:17: und außerdem ist der Freundes Kreis Jad Vashem in Deutschland der jüngste aller Freundeskreise.
00:46:25: Also das ist hier auch schon mal bezeichnet, wie lange es in Deutschland gedauert hat, ehe hier ein Freundeskreis gebildet wurde.
00:46:33: Und dass wieder auf die Frage Wie ist das denn im Fall?
00:46:37: Das Gedenken im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern ja in Frankreich und auch in der Schweiz, in Genf und in den USA da gab es schon selbst in Südamerika seit vielen, vielen Jahrzehnten.
00:46:50: Und so finde ich, dass der Freundeskreis in Deutschland der Jüngste ist, ist ja eigentlich schon ziemlich beschämend.
00:46:59: Das heißt wir können uns jetzt nicht ausruhen und irgendwelchen Lorbeeren.
00:47:03: Unser Thema lädt auch nicht gerade zu ein, jetzt irgendwie ein großes Fest zu feiern und unsere Erfolge zu feieren.
00:47:10: Aber wir haben meine Vorgängerinnen und meinen Vorgängern.
00:47:15: die hatten großartige Arbeit geleistet gerade in den letzten Jahren mit aufsehenerregenden Ausstellungen wie Survivors, wo große Porträts ausgestellt worden sind von Holocaust-Überlebenden.
00:47:30: Was einem dem Betrachter die Geschichte auch schon sehr nahe gebracht haben.
00:47:36: Wunderschöne Fotografien sind das!
00:47:40: wo man den Menschen direkt ins Auge schaut und die schauen einem direkt in das Auge.
00:47:45: Also diese Begegnungen, Konfrontationen, die das nachdenken, dass dann einsetzt hat viel erreicht.
00:47:54: genauso wie zum Beispiel der Ausstellung, sechzehn Objekte aus allen Sechzehnten Bundesländern gibt es Objekten, die überlebende mit nach Israel mitgebracht hatten als sie da hinausgewandert sind und die in dem Archiven von Yad Vashem stehen.
00:48:10: Die wurden nach Deutschland gebracht und so einen Gegenstand zu sehen, einen Originalgegenstand hier in Deutschland schafft auch eine große Nähe.
00:48:23: Und das wollen wir weiterführen und deswegen haben wir in diesem Jahr die deutsche Übersetzung veröffentlicht der ersten Briefe nach dem Holocaust dass eben durch diese Briefer durch ihre Direktheit sofort eine Nähe erschaffen Hoffen wir, dass diese Nähe auch bei allen die das Lesen ankommt.
00:48:43: Also man muss sich schon sehr wehren dagegen Dass man da nicht zutiefst berührt wird.
00:48:49: Wir werden dann in unserem Rundenjahrstag einen dreißigsten Jahrestag zu Beginn gleich mit einer großen Social Media Kampagne beginnen Die sich um diese Briefe dreht Mit Influencern und das werden wir Gerade für junge Leute auf Social Media, also Instagram und anderen Kanälen präsentieren.
00:49:11: Wo eben in neunzig Sekunden die Leute animiert werden über sich weiter zu erkundigen, über die Geschichte.
00:49:20: Wir haben eine Ready to Print Ausstellung zu diesem Thema Zu den ersten Briefen nach dem Holocaust geplant Die wir allen Schulen, allen Firmen Institutionen und wer auch immer daran interessiert ist, zur Verfügung stellen.
00:49:34: Die brauchen nur einen Link zu beantragen und können sich das dann runterladen und die Ausstellung, die dann schon kuratiert ist selber ausdrucken und je nach finanziellen Möglichkeiten einrahmen oder einfach so auf eine Pinwand draufdrücken, ausstellen und anhand des Buches sich darüber zu sprechen vielleicht Seminare zu machen.
00:49:58: Wir haben eine große Lesereise vor, die wir in diesem Jahr beginnen.
00:50:03: Und dann im neuen Jahr bei Bayer Leverkusen zum Beispiel aber auch bei der Lit-Colon in Köln weiterführen mit namhaften Schauspielern, die aus diesen Briefen lesen und Musik live gespielt von Nur Ben Chalom, einem tollen Klarinatisten und eventuell auch anderen Musikern die mit ihm zusammen in einem Ensemble spielen.
00:50:28: Lieder, die zwischen neunzehrt dreientreißig bis neunzentv.
00:50:31: vierzig von Juden komponiert worden sind.
00:50:34: das haben wir so vor.
00:50:36: Wir haben auch noch ein großes Ausstellungsprojekt dass wir dann nächstes Jahr angehen werden aber da kann ich noch nicht zu viel verraten weil es noch wirklich in einem sehr frühen Stadium ist.
00:50:50: Danke, auf jeden Fall hast du mich schon sehr neugierig auf euer dreißigstes Geburtstagsjahr gemacht.
00:50:56: Eine Frage vielleicht ist es für eine Abschlussfrage ein bisschen zu groß das Thema.
00:51:02: aber wir haben in Deutschland ja siebzehnhundert Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert und aktuell führen wir auch im politischen Berlin diese Debatte über Sicherheit und Sichtbarkeit jüdischen Lebens.
00:51:19: Was denkst du, was könnt ihr vielleicht mit eurer Arbeit dazu beitragen zu dieser Sicherheit und Sichtbarkeit?
00:51:29: Und wie wichtig ist dieses Thema tatsächlich auch aus deiner Perspektive?
00:51:33: Also für die Sichtbarigkeit des Themas können wir viel beitragend durch Veranstaltungen, wie ich sie eben genannt habe Also die Premiere des Buches zum Beispiel nach Soviel Schmerz und Pein, erste Briefe nach dem Holocaust.
00:51:49: Da hatten wir ein fast volles Haus im Kino International – fünfhundert Plätze.
00:51:54: Wir hatten Live-Coverage vom RWB anderen AD-Anstalten von Kultursendungen bis hin zur Boulevard Sendung Prisant.
00:52:05: Wir hatten Radioberichte und alle Zeitungen haben darüber Berichte.
00:52:09: Das schafft Sichtbarkeit für dieses Thema.
00:52:12: Wir werden das weiterführen und darauf setzen wir eigentlich alles, wir wollen überhaupt keine Aktivitäten entwickeln die nicht auf Sichtbarkeit aus sind.
00:52:24: es bringt nichts eine wunderschöne Ausstellung, eine wundertschöne Lesung zu machen nur in einem ganz kleinen Rahmen.
00:52:31: Das heißt Sicherheit ist alles wie das mit dem Sicherheitsaspekt wird.
00:52:37: Das liegt nicht in unserer Hand.
00:52:38: also wir können nur hoffen Das ist aber auch alles, dass unsere Arbeit dazu führt.
00:52:46: Dass die Menschen sich vielleicht wieder, die bisher verführt worden sind von Populisten irgendwann wieder abwenden.
00:52:55: Wir können da nur ein bisschen helfen.
00:52:58: Man muss sich mal vor Augen führen, dass selbst die Tatsache, das es den Holocaust überhaupt gegeben hat, den Antisemitismus nicht vernichten konnte... zeigt, was für eine ungeheuerliche Aufgabe das ist.
00:53:15: und dass kann man wirklich nur gemeinsam machen mit demokratischen und freidenkenden aufgeklärten Menschen.
00:53:23: Sonst geht das alles nicht!
00:53:25: Lieber Wenzel, das war ein sehr wichtiges Schlusswort.
00:53:28: Vielen Dank für das sehr spannende Interview zu Deiner Arbeit und zu Eurer Arbeit im Freundeskreis.
00:53:34: Jadwarschem
00:53:35: Bitte sehr.
00:53:36: ich habe zu danken Geht gar nicht.
00:53:46: Ein Audio-Podcast der Konrad Adenauer Stiftung.