Menschenrechte: nachgefragt! - Der Interview-Podcast rund ums Thema Menschenrechte

„Yad Vashem ist für mich wie eine Heimat, die ich so nie empfunden hatte.“

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS
Transkript lesen

Wie bleibt die Erinnerung an den Holocaust lebendig, wenn immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen davon berichten können? Darüber spricht der Historiker und Menschenrechtler Wenzel Michalski, Geschäftsführer des Freundeskreises Yad Vashem, und erklärt, welche Rolle die Gedenkstätte für die Erinnerungsarbeit der Zukunft spielt.

Yad Vashem wird künftig in Leipzig und München zwei Bildungszentren für die Fortbildung von Lehrern und anderen Multiplikatoren betreiben.

Michalski erläutert, warum die Sammlung und Veröffentlichung von Briefen der Überlebenden des Holocaust, die diese unmittelbar nach der Shoah geschrieben haben, heute von unschätzbarem Wert ist: Sie dokumentieren auch nach dem Tod der letzten Zeitzeugen die Verzweiflung, Hoffnung und den Versuch, nach unvorstellbarem Leid wieder ins Leben zurückzufinden. Der Freundeskreis Yad Vashem hat zahlreiche Briefe in dem Buch „Nach so viel Schmerz und Pein“ auch dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht und wird zum 30. Geburtstag im Jahr 2027 eine Ausstellung und eine Lesereise durch ganz Deutschland organisieren.

Michalski warnt er vor neuen Formen der Geschichtsvergessenheit: „Man muss um die Erinnerung kämpfen.“ Schlussstrichforderungen, Antisemitismus und Angriffe auf die Erinnerungskultur seien keine Vergangenheit, sondern aktuelle Herausforderungen. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Vermittlung des Wissens über den Holocaust an jüngere Generationen: „Wir können junge Menschen nur über einzelne Biographien erreichen, nicht über Zahlen und Statistiken.“ Moderne Bildungsangebote, Ausstellungen und neue Yad-Vashem-Zentren in Deutschland sollen dazu beitragen, die Erinnerung lebendig zu halten.

Persönlich wird das Gespräch, wenn Michalski über die eigene Familiengeschichte berichtet. Seine jüdische Großmutter und ein Teil seiner Familie überlebte die NS-Zeit nur dank mutiger Helfer, die heute in Yad Vashem geehrt werden: „Die Gerechten unter den Völkern waren normale Menschen, die einen besonderen Mut bewiesen haben.“

Hört rein in ein spannendes Interview über Erinnerung, Menschenrechte, Zivilcourage und die Frage, warum die Auseinandersetzung mit dem Holocaust auch für kommende Generationen unverzichtbar bleibt.

Weiterführende Links

Homepage Yad Vashem Israel www.yadvashem.org/about/yad-vashem.html

Homepage Yad Vashem Deutschland www.yad-vashem.de

Bildungszentrum München www.yad-vashem.de/post/pressemitteilung-yad-vashem-eröffnet-bildungszentrum-in-münchen-das-erste-außerhalb-israels

Buch „Nach so viel Schmerz und Pein. Erste Briefe nach dem Holocaust“ www.alfredlandecker.org/de/projects/nach-so-viel-schmerz-und-pein

Human Rights Watch Interview zum Thema Antisemitismus aus eigener Erfahrung www.youtube.com/watch?v=28iTOBHLZAQ

Weitere menschenrechtliche Themen www.hrw.org/de/video-photos/audio/2012/07/04/wenzel-michalski-uber-folter-syrien www.hrw.org/about/get-local/deutschland/wenzel-michalski-kritisiert-repression-russland-syrien-und-nordkorea www.deutschlandfunk.de/wta-china-rueckkehr-michalski-100.html www.welt.de/debatte/kommentare/article211769723/EU-Ratspraesidentschaft-Wie-Deutschland-Orban-die-Stirn-bieten-kann.html www.dw.com/de/human-rights-watch-nicht-ohne-hoffnung/a-47091856

Obermayer Award www.parlament-berlin.de/das-haus/veranstaltungen/obermayer-awards


Kommentare


Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.