Menschenrechte: nachgefragt! - Der Interview-Podcast rund ums Thema Menschenrechte

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00:00:02: Menschenrechte nachgefragt.

00:00:04: Der Interview-Podcast der politischen Meinung

00:00:06: und der Konrad

00:00:07: Adenauer Stiftung.

00:00:10: Heute mit... Mein Name ist Stefan Meyer, ich bin seit Oktober, im Jahr zwei tausendfünfundzwanzig Präsident des Bundes der Vertriebenen.

00:00:18: Den Präsidium des BDV gehöre ich seit zweitausend acht an.

00:00:23: Ich selbst bin in Südostbayern geboren, in Burghausen und darf seit zwei tausendzwei den Bundeswahlkreis Altötting-Mühldorf im Deutschen Bundestag vertreten.

00:00:34: Und der Hintergrund, warum ich mich sehr engagiert und auch schon seit vielen Jahren in der vertriebenen Aussiedlerpolitik einsetze ist das meine Großeltern mütterlicherseits aus Gundrum stammte, aus der Nähe von Brünn.

00:00:47: Und nineteenhundertsechsundvierzig die Czechoslovakie verlassen mussten und dann eine neue Heimat im Landkreis altötting gefunden haben am Ende dann auch in Burghausen.

00:00:59: Und mich hat das immer sehr bewegt, weil ich weiß, dass dies ein Teil von mir ist.

00:01:04: und auch wenn ich selbst jetzt nicht vertrieben wurde und Bayern geboren wurde, dann wäre ich nicht der, der ich bin ohne die Wurzeln, die mich ausmachen.

00:01:16: Das war für mich dann immer Motivation und Antrieb, mich in der Vertriebenen Politik zu engagieren.

00:01:22: Ich freue mich auf unser Gespräch!

00:01:24: Vielen Dank, Herr Meier.

00:01:25: Das ist ein wichtiges Jahr, zwanzig sechsundzwanzig.

00:01:28: Denn vor genau achtzig Jahren war der Höhepunkt des Vertreibungsgeschehen in der Deutschen.

00:01:34: die Zahlen sind unglaublich erschreckend ungefähr fünfzehn Millionen Menschen sollen geflohen sein zwei Millionen Menschen sind verschollen oder verstorben auf der Flucht.

00:01:45: Deshalb bin ich auch sehr dankbar dass sie Podcast gespricht Teil nehmen und sie sind praktisch ganz frisch, kann man sagen vom Tag der Heimat.

00:01:56: Zurück, der unter dem Motto Bekenntnis und Verantwortung unser Kulturgut verbindet Europa stattgefunden hat am vergangenen Wochenende.

00:02:04: Wie in der Carta der Heimatvertriebenden von vor neunzehntfünfzig so wurden auch beim diesjährigen Tag der Heimat die Verständigung und Versöhnung in Europa in ihrer Bedeutung hervorgehoben.

00:02:13: In Ihrer Rede haben Sie einen beeindruckenden Satz gesagt.

00:02:16: Ich zitiere Heimat muss kein Raum sein Der uns von anderen trennt.

00:02:20: Richtig verstanden kann sie ein Raum sein Aus dem heraus wie Anderen begegnen.

00:02:26: Wie wichtig ist für den Bund der Vertriebenen dieser Aspekt in seiner Arbeit die Begegnung mit anderen auch über Landesgrenzen hinweg?

00:02:34: Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass gerade in der heutigen Zeit, in der es in vielen Ländern leider auch in Deutschland Tendenz gibt sich abzuschotten.

00:02:44: Leider auch die Gesellschaften in vielen Ländern sich polarisieren, stärker individualisieren und in vielen Bereichen leider auch radikalisieren umso wichtiger ist das verbindende Element zu suchen.

00:02:57: Und man mag auf den ersten Blick ja vielleicht glauben, dass das Bessinnen auf das eigene Herkommen und die eigene Kultur, auf das kulturelle Erbe eher mit dazu beiträgt sich von anderen abzuschotten – und das Gegenteil ist aus meiner Sicht der Fall!

00:03:15: mir und uns im BDV auch wichtig, dass wir den diesjährigen Tag der Heimat auch unter dieses glaube ich auch sehr zeitaktuelle Thema gestellt haben.

00:03:25: Dass das Kulturgut der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge kein Element der Abschottung ist sondern eine Brücke darstellt.

00:03:35: Eine Brücke Darstellt in andere Länder in die alte Heimat und es ist ja etwas auf das wir in Europa insgesamt stolz sein können.

00:03:45: Es gibt ja kein abgeschottetes, tschechisches, polnisches, deutsches österreichisches Kulturgut sondern es gibt ein verbindendes Kulturgut und die Kulturgüter sind ja vielfältig.

00:03:57: auch darauf habe ich beim Tag der Heimat hingewiesen dass uns auch wichtig ist das wir das kulturelle Erbe nicht musialisieren oder nicht nur musialisierung und vor allem auch nicht nur abheften sondern dass wir es lebendig gestalten.

00:04:13: Ich bin der Auffassung, dass es heute wichtiger und aktueller denn je ist.

00:04:19: Zumindest wenn man die letzten Jahrzehnte Revue passieren lässt.

00:04:23: Dass wir die Hand ausstrecken, dass wir aufeinander zugehen.

00:04:26: Dass we uns nicht abschotten und nicht nach dem Motto Deutschland zuerst Polen zuerst Tschechien zuerst immer nur auf uns blicken sondern das verbindende Element in den Vordergrund stellen.

00:04:39: Ich glaube, nach wie vor die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge können hier eine ganz wichtige Brückenfunktion darstellen.

00:04:48: So möchte ich auch die zukünftige Arbeit des BDV verstanden wissen!

00:04:53: Vielen Dank.

00:04:54: Wir hatten schon einen Podcast aufgenommen vor einigen Wochen zum Thema Tag der Sudeten-Deutschen, dieser hat nämlich zum ersten Mal an Pfingsten in Brünnstadt gefunden und sie haben ja gerade gesagt dass sie aus beziehungsweise ihre Familie mütterlicherseits auch aus der Umgebung von Brünn kommt.

00:05:14: Der Tag der Sudeten-Deutschen in Brünnen wurde ermöglicht durch das Engagement von jungen Brunnerinnen und Bründern, die sich in der Initiative Meetingbrünnen vereint haben, die auch schon seit vielen Jahren einen sogenannten Brunna Friedensmarsch initiieren.

00:05:29: Dieses junge Engagement in Tschechien ist ein Beispiel für den Generationenwechsel vom Erlebnis zur Bekenntnisgeneration?

00:05:39: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin von den jungen Menschen die sich in Mütting-Prinno engagieren und wie sie zu Recht ja ansprechen nicht erst seit kurzem sondern seit vielen Jahren, seit weit mehr als einem Jahrzehnt zu tief beeindruckt.

00:05:53: Das sind junge Menschen, die selbst keinen... deutschen Hintergrund haben, die auch nicht der deutschen Minderheit angehören.

00:05:59: Sondern die sich seit wie gesagt vielen Jahren mit dem Schicksal der deutschen Vertriebenen aus ihrer Heimatstadt, aus Ihrer Heimatregion Brünn und Umgebung beschäftigen.

00:06:10: Und wir lieber ernst Sie darauf hingewiesen haben vor mehr als zehn Jahren den Versöhnungsmarsch ins Leben gerufen ein bewusster Kontrastpunkt zu dem schrecklichen Todesmarsch im Frühjahr, aus dem er in den Jungen war.

00:06:31: Ich muss sagen ich war ja natürlich beim Sudeten-Deutschen Tag in Brünn und es gab viele Höhepunkte an diesem Wochenende.

00:06:38: für mich war aber der absolute Höhelpunkt der Einmarscht dann in Brunnen bei dem ja deutlich mehr Tschechinnen und Tschechen mitgegangen sind als Deutsche.

00:06:50: Und ich werde das nie vergessen, mit welcher Begeisterung die tschechischen Jugendlichen uns selbst gemalte Plakate entgegen gehalten haben – mit der Aufschrift Herzlich Willkommen!

00:07:02: Schön, dass ihr hier seid.

00:07:04: Das war eine Festivalstimmung, die da auch bei bestem Wetter, auch bei hohen Temperaturen am Samstag Nachmittag in Brünn stattgefunden hat.

00:07:16: Gerade auch diese Verständigungsarbeit, die für uns als BDV im Mittelpunkt steht.

00:07:22: Unheimlich wertvoll und unheimlich tragend ist!

00:07:25: Ich bin wie gesagt der Initiative Mütting-Brinner unheimlig dankbar.

00:07:30: auf ihre Einladung hin hat der Sudetendeutsche Tag erstmals auf tschechischem Boden stattfinden können Und da ist auch wirklich in den letzten Jahren unheimliche viel zusammengewachsen.

00:07:42: zur Wahrheit gehört ja auch es gibt natürlich Beiderseits der Grenze, auch immer noch Irritationen.

00:07:49: Vielleicht sogar an der einen oder anderen Stelle auch noch Resentiments aber da hat sich in den letzten ein zwei Jahrzehnten unheimlich viel entkrampft.

00:07:59: Der tschechische Botschafter in Berlin Yershi Czesticki ist ein guter Freund von mir Und wir tauschen uns auch regelmäßig aus und er hat mir gesagt, noch vor zwanzig Jahren als Tschechien der Europäischen Union beigetreten ist war das bilaterale deutsch- tschechische Verhältnis ja vor allem von Argwohnen, von Missgunst, von Misstrauen geprägt.

00:08:20: Es gab damals ja durchaus im Bayern auch Vorbehalte gegenüber dem Beitritt Tschechians zur europäischen Union.

00:08:27: Noch vor zwanzig, ich sage sogar vor zehn Jahren wäre ein Sudeten-Deutscher Tag auf tschechischem Boden undenkbar gewesen.

00:08:34: Und dass dies jetzt möglich ist uns nicht nur möglich sondern das es ein großer Erfolg war.

00:08:40: Es gab ja auch noch im Vorfeld des Sudeten Deutschen Tages Auch auf beiden Seiten.

00:08:44: Große Fragezeichen, Zweifel ob der Zeitpunkt richtig ist, ob der Ort richtig ist Ob es nicht eine große Pleite wird ein Desaster wird.

00:08:53: Es gab auch Tschechen die mir gesagt haben Lieber Stefan du wirst sehen am Ende gibt es nur Enttäuschte.

00:08:59: Die Sudeten Deutschen werden enttäuscht sein weil sie feststellen müssen Sie sind immer noch nicht willkommen in der alten Heimat.

00:09:05: Die Tschechanen werden enthäuscht seien Weil sie den Eindruck gewinnen die Sudeten deutschen die Deutschen setzen Komm, was wolle?

00:09:13: Ihren Kopf durch.

00:09:14: Das Gegenteil war der

00:09:15: Fall.".

00:09:16: Wie erwähnt es war ein Fest der Verständigung Es war ein festes Miteinanders der Freude.

00:09:23: Und natürlich ist das mit diesem einen Sudeten-Deutschen Tag noch nicht alles begratigt.

00:09:28: und natürlich weiß ich auch dass es in den Umfragen In Tschechien auch nach wie vor eine Mehrheit gibt die den Sudeten-Deutschen Tag auf tschechischen Boden kritisch sieht.

00:09:38: Aber derartige Pflänzchen, und es sind schon größere Pfläntzchen geworden wie Mieting-Brünno, diese gemeinsame Verständigungsarbeit, die ermutigen mich in ganz besonderer Weise hier nicht locker zu lassen und hier nicht müde zu werden.

00:09:55: Und deswegen war der Sudeten Deutsche Tag im Brünn dieses Jahr wirklich ein ... Ich würde sogar sagen einen zeitgeschichtlichen Höhepunkt.

00:10:05: Vielen Dank!

00:10:06: Vor sieben, dreißig Jahren ist ja nicht nur in Berlin die Mauer gefallen.

00:10:10: Sondern auch der eiserne Vorhang der Osteuropa, Mittel-Osteuropa getrennt hat vom Rhein-Westen.

00:10:17: Was hat das für ihre Verbandsarbeit ausgemacht?

00:10:20: Gerade im Verhältnis zu den Ländern wie Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien?

00:10:26: Inwieweit hat erst diese, sagen wir mal Grenzöffnung Das Zusammenkommen von West und Ost beigetragen, dass diese Aufarbeitung und Versöhnungsarbeit des BDV auch tatsächlich wirken konnte.

00:10:43: Der Fall ist also ein Vorhangs- und die Wiedervereinigung unseres Landes war natürlich für den BDF eine Zäsur.

00:10:50: Nach dem Fall des Eiseren Vorhang der Demokratisierung der ehemaligen kommunistischen Länder wie der Tschecheslobakei, wie Ungarns, wie Polens hat natürlich vor allem für die Landsmannschaften, für die Vertriebenenverbände die Möglichkeit eröffnet deutlich einfacher unkomplizierter in die alte Heimat zu fahren, Kontakte zu knüpfen zur deutschen Winderheit.

00:11:13: In der angestammten Heimat auch Aufbauarbeit dort ganz konkret vor Ort zu leisten und das ist aus meiner Sicht auch etwas was vielleicht sogar in der öffentlichen Wahrnehmung zu sehr untergeht.

00:11:26: Natürlich sind die Treffen von Politikern wichtig, von Regierungschefs und Regierungsmitgliedern auch vom Parlamentarien aber die eigentliche Verständigungsarbeit findet ja vor Ort statt an der Basis wenn Heimatgruppen in die alte Heimat reisen Wenn wie in sieben Bürgen in Rumänien konkret auch Aufbauarbeit an Kirchenburgen geleistet wird Wenn Kirchen in Polen wieder mit aufgebaut werden Auch mit deutschen Geldern.

00:11:54: Das ist ganz konkrete Verständigungsarbeit vor Ort und deswegen war natürlich der Fall des eisernen Vorhangs eine absolute Zäsur für den Bund der Vertriebenen.

00:12:06: Und vor allem natürlich für unsere Mitgliedsverbände, die Landsmannschaften.

00:12:10: Ich bin wirklich allen enorm dankbar, die sich ehrenamtlich hier engagieren, die sehr viel Zeit investieren.

00:12:18: Auch am vergangenen Wochenende haben wir wieder Viele Landsleute gesagt, in den kommenden Wochen fahren wir nach Ostbräußen.

00:12:28: Wir unternehmen eine Reise durch das Sudetenland.

00:12:32: Es ist schön zu sehen, dass hier kein Abruch vorhanden ist, sondern dass insbesondere auch die Angehörige der Bekenntnisgeneration vielleicht sogar eine größere Neugierde entwickeln als noch die Generation ihrer Eltern auf die alte Heimat.

00:12:50: Und deswegen ist mir auch nicht bange, um die zukünftigen Herausforderungen.

00:12:55: wir haben genug zu tun als BDV aber natürlich auch die Landsmannschaften.

00:12:59: Vielen

00:12:59: Dank!

00:13:00: Bereits ein Jahr vor dem Fall der Mauer hat die Bundesregierung das Amt des Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten eingerichtet dass jetzt aktuell von Dr.

00:13:09: Bernd Fabrizius einem ihrer langjährigen Vorgänger im BDF geleitet wird.

00:13:15: Herr Fabrizius hat Tag der Heimat den Übergang und Wechsel von der Erlebnisgeneration zur Bekenntnis-Generation hinsichtlich der besonders sensiblen Aufarbeitungsdimensionen angesprochen.

00:13:25: Ich zitiere einmal aus seiner Rede, Zitat Der gerade auch von der erletnis Generation auf Grundlage der Karte der heimatvertriebenen beförderte Versöhnungsprozess lässt dieses Kulturgut als gemeinsames Erbe wirken.

00:13:38: die Bekenntnes generation in Deutschland sowie viele Bürgerinnen und Bürger in Ostmittel- und Südosteuropa leben heute ganz selbstverständlich in diesem Bewusstsein, ohne dabei historisches Unrecht zu verschweigen.

00:13:50: Geschichtliche Wahrhaftigkeit auf beiden Seiten ist die beste Grundlage

00:13:54: dafür.".

00:13:56: Meine Frage dazu an Sie – wie viel Historisches Wissen ist in den jungen Generationen noch vorhanden?

00:14:01: Und tun wir bildungspolitisch genug um die erinnerungspolitischen Herausforderungen auch künftig angemessen stemmen zu

00:14:08: können?!

00:14:08: Da sprechen Sie lieber ernst wirklich ein sehr, sehr kritisches Thema an und das ist die Bildungspolitik.

00:14:14: Die liegt wie wir alle wissen in der Hoheit der Bundesländer Und ich möchte schon sagen da gibt es auf jeden Fall noch deutlichen Verbesserungsbedarf.

00:14:23: Wenn ich mir ansiehe dass Allermeisten Bundesländern das Thema Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende oder nach dem Zweiten Weltkrieg kein Verpflichtendes, sondern ein fakultatives Thema im Geschichtsunterricht ist.

00:14:36: Und es dann letzten Endes im Ermessen des jeweiligen Geschichtslehrers oder der Geschichts- leerer den steht Ob man sich diesem Thema vor allem auch ausführlicher widmet, dann muss ich sagen da ist hier Nachbesserungsbedarf gegeben.

00:14:50: Und da habe ich eine klare Erwartungshaltung gegenüber den Kultusministerien der Sechzehn Bundesländer.

00:14:56: Da meiner Sicht muss natürlich neben dem Umstand dass die Verantwortung Deutschlands für den Zweiten Weltkrieg vor allem natürlich die schrecklichen Entwicklungen um Nazi Deutschland und um das Entstehen und Ausbreiten der nationalsozialistischen Bewegungen muss immer einen ganz großen Schwerpunkt im Geschichtsunterricht darstellen, aber genauso muss auch dem Thema Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg entsprechende Aufmerksamkeit im Geschichtsunterricht gewidmet werden.

00:15:27: Gerade die jüngsten Entwicklungen zeigen ja dass die Geschichtsvergessenheit in Deutschland leider immer mehr um sich greift und deshalb ist Bildungspolitik hier zu aller Vordersthe gefordert.

00:15:40: Ich möchte aber auch deutlich sagen, und darf ich auf die Bemerkungen von Bern Fabrizius zurückkommen.

00:15:48: Das Thema kulturelles Erbe der Vertriebenen ist ja kein Thema das nur der Erlebnisgeneration zusteht sich damit zu beschäftigen.

00:15:58: Und ich sehe gerade in einer Zeit, in der leider die Angehörigen der Erlebnis-Generation sukzessive von uns gehen eine ganz große Notwendigkeit den Staffelstab zu übergeben.

00:16:10: Und ich erkenne aber gerade auch in der sogenannten Bekenntnis-Generation, also in der Generation die Flucht und Vertreibung nicht am eigenen Leib erleben mussten.

00:16:19: Sondern deren Eltern oder Großeltern vertrieben wurden – auch durchaus eine steigende Neugierde auf die Themen, vielleicht sogar etwas unbefangener, etwas unverkrampfter als noch die jeweilige Elterngeneration an die Themen herangegangen ist.

00:16:35: Ich bin auch der Meinung des Thema Flucht ist auch nicht nur ein Thema, derer die selbst in der Familie mit diesem Thema befasst waren oder sind.

00:16:47: Sondern es ist ein zeitgeschichtliches Thema von unserem gesamten Land, auch für unsere gesamte Bevölkerung.

00:16:54: und vor dem Hintergrund glaube ich dass es durchaus gelingen kann das man diese Staffelstabübergabe wenn ich mal so etwas plastisch formulieren darf durchaus erfolgreich gestaltet dahingehend nachrückenden Generationen sich ihrer Verantwortung bewusst sind, die aus der Erinnerung folgt und aus dem Bekenntnis folgt.

00:17:21: Das Thema Flucht- und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg einen ganz zentralen Bestandteil unserer Nachkriegsgeschichte

00:17:28: darstellt.".

00:17:30: Vielen Dank.

00:17:31: Sie haben am Anfang schon darauf hingewiesen, dass das Thema auch geschichtspolitisch und erinnerungspolitisch nicht nur fürs Museum geeignet ist.

00:17:39: trotzdem können Museen natürlich dazu beitragen diese Zeit darzustellen zu dokumentieren.

00:17:46: es gibt eine Dauerausstellung im Dokumentationszentrum Fluchtvertreibung Versöhnung seit fünf Jahren in der Kreuzberger Stresemann Straße und das BMI hat aktuell den Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung einer selbstständigen Stiftung Fluchtvertreibungsversöhnung erarbeitet.

00:18:03: Das Ganze hat in Deutschland zu bestimmten inhaltlichen Kontroversen geführt, an denen sich auch der BDV beteiligt hat.

00:18:13: Worum geht es da?

00:18:15: Diese Streit wenn man es mal so formulieren darf um die Stiftungen Fluchtvertreibung Versöhnungen vor allem um die Dauerausstellung ist ja kein ganz neuer.

00:18:23: Es ging eigentlich nie ohne gewisse Haakelein.

00:18:27: Ich verfolge ja selbst, bin zwar nicht von Anfang an Mitglied des Stiftungsrates aber habe schon auch in meinen Anfangsjahren als Bundestagsabgeneiner der Arbeitsgruppe der Vertriebenen in der Unionsfraktion dieses Thema sehr intensiv mitverfolgt.

00:18:42: Ich bin der Meinung dass man dieses Thema wesentlich unverkrampfter und weniger kontroverser angehen sollte.

00:18:49: ich finde es steht uns gut zu Gesicht das wir im Zentrum Berlins eine Dauerausstellung etabliert haben, die genau diesem Thema Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende oder nach dem Zweiten Weltkrieg die entsprechende Sichtbarkeit gibt.

00:19:05: Und dieses sogenannte sichtbare Zeichen wie es ja auch manchmal auch im Koalitionsvertrag geschrieben war ist geschaffen worden.

00:19:12: mit dieser Dauerausstellung soll in keiner Weise die Schuld Deutschlands, Nazi-Deutschlands am zweiten Weltkrieg relativiert werden.

00:19:21: Ganz im Gegenteil.

00:19:21: natürlich stehen Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende oder nach dem Zweiten Weltkrig in Kontext des Zweiten Welkrigs und der Schreckensherrschaft Nazi-Durchlands in Europa.

00:19:35: aber um dies auch klar zu sagen Die Vertreibungen der Deutschen – und sie haben ja zu Beginn darauf hingewiesen es waren nahezu fünfzehn Millionen Deutsche Er zungenermaßen ihre angestammte Heimat verlassen mussten oder dann auch im Nachgang vertrieben wurden, sind ja nicht vertrieben worden weil sie persönliche Schuld auf sich geladen haben.

00:19:57: Sondern nur aufgrund des Umstandes dass die Deutsche waren.

00:20:01: und diese Kollektivbestrafung diese kollektiv schuld die den Deutschen hier zugewiesen wurde Die war himmelschreiend rechtswidrig und sie ist es nach wie vor.

00:20:11: diesem umstand haben wir in der Dauerausstellung, auch die entsprechende Aufmerksamkeit gewidmet.

00:20:18: Ich halte es für richtig dass die Stiftung jetzt nach fünf Jahren gibt das die Dauerausstellung.

00:20:24: Die Stiftungen steht noch ein paar Jahre mehr, dass diese Stiftungs aus dem Dach des Deutschen Historischen Museums gelöst wird und eigenständig Und dass auch in dem neuen oder in dem novellierten Stiftungsgesetz festgeschrieben wird, dass der Schwerpunkt der Dauerausstellung das Thema Flucht und Vertreibung der Deutschen ist.

00:20:46: Damit setzen wir im Gesetz das um was wir im Stiftungrat einstimmig auf Initiative damals von Wolfgang Thiersee beschlossen haben nämlich die Stiftungen natürlich Schon auch die Aufgabe hat sich mit vielen anderen Themen, auch mit aktuellem Fluchtgeschehen auseinanderzusetzen.

00:21:04: Das unterstütze ich auch sehr nachdrücklich.

00:21:06: aber dass die Dauerausstellung natürlich einen ganz klaren Schwerpunkt haben muss und das ist das Thema Flucht- und Vertreibung der Deutschen.

00:21:14: Und ja, ich hoffe, dass wir jetzt in den nächsten Monaten diese gesetzliche Novellierung auch so unter Dach und Fach bekommen, dass hier die Kontroversen beendet werden.

00:21:24: um eines noch mal klar zu sagen Wir als Bund der Vertrieben sind gegen jeglichen Vanchismus und wir schreiben hier vor allem auch die Geschichte nicht um.

00:21:33: Und wir werden auch die Dauerausstellung nicht so umgestalten, dass der historische Kontext den ich erwähnt habe – nämlich das natürlich die Flucht- und Vertreibung der Deutschen im unmittelbaren Zusammenhang steht mit der Nazi-Schreckensherrschaft, mit dem Terrorregime Nazi-Deutschlands -, dass dies in irgendeiner Weise relativiert wird oder ausgehebelt.

00:21:58: Aber wir werden uns schon erlauben, die Dauerausstellung, die aus meiner Sicht – das ist auch meine feste Überzeugung – zu wenig empathisch ist.

00:22:06: Zu wenig emotional ist dass diese Dauerausstellung mehr auf die Adressaten entsprechend ausgerichtet wird und zu den Adressatengehörn neben Nicht-Vertriebenen natürlich auch die Vertriebenen.

00:22:20: Und es wird eine Aufgabe der nächsten beiden Jahre sein, dass wir die Dauerausstellung entsprechend weiterentwickeln und an der einen oder anderen Stelle auch deutlich empathischer ausgestalten.

00:22:32: Vielen Dank!

00:22:34: Es gab jetzt vor Kurzem ein anderer Gedenktag – und zwar den Gedenktag für die Opfer von Flucht- und Vertreibung.

00:22:41: Der wurde interessanterweise siebzig Jahre nach dem Ende des Weiten Weltkrieges eingeführt.

00:22:49: Wir hatten den Höhepunkt der Flüchtlingskrise, das ist insofern interessant weil der zwanzigste Juni zugleich auch der Weltflüchtlingstag.

00:23:00: Hier wird also an diesem Gedenktag seit elf Jahren gemeinsam der Blick auf flüchtlinge und vertriebene weltweit gerichtet.

00:23:13: Und was können Gesellschaft und Politik aus dem jahrzehntelangen Wirken des BDV für die Versöhnung lernen, wenn es auch um die weltweiten Flüchtlingskrisen aktuell geht?

00:23:25: Für uns als bunte Vertriebene war die Einführung dieses nationalen Gedenktages sehr wichtig.

00:23:31: Es war ja nicht ganz einfach, hat ein paar Jahre gedauert bis dieser nationale Gedenktag etabliert wurde.

00:23:37: Zwei Tausend Fünfzehn war es dann soweit Und als dann die damalige Bundesregierung diesen nationalen Gedenktag auf den zwanzigsten Juni festgelegt hat, dem Weltflüchtlingstag gab es zugegebenermaßen in den eigenen Reihen durchaus Kritik.

00:23:53: So nach dem Motto naja Wenn der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung der Deutschen sozusagen subsumiert wird unter dem Welt-Flüchtlingstag Dann geht das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen an Flüchtlinge unter.

00:24:08: ich formuliere das mal etwas plastisch.

00:24:12: Ich bin der Meinung, dass das Gegenteil der Fall ist weil dadurch, dass der nationale Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung der Deutschen am Weltflüchtlingstag begangen wird, wird auch eines deutlich, dass es genauso wenig wie es für aktuelle Vertreibungen beispielsweise im Sudan, im Südsudan eine menschenrechtliche oder völkerrechtliche Rechtfertigung gibt.

00:24:37: genau so wenig gab es aber vor einigen Jahren eine Rechtfertigung für die Vertreibung der Deutschen.

00:24:46: Also das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge von vor acht Jahren ist in keiner Weise unter rechtlichen Gesichtspunkten anders zu bewerten als aktuelles Fluchtgeschehen, Schließt sich aus meiner Sicht auch wieder der Kreis.

00:25:02: Da komme ich auf die BDV-Bedeutung zurück.

00:25:07: Wir als Bund der Vertriebenen können sehr authentisch und glaubwürdig die Position vertreten, dass jede Art von Vertreibung und von erzwungener Flucht ein Verstoß gegen geltendes Menschenrecht ist, gegen Völkerrecht und entsprechend zu Brandmarken

00:25:25: ist.".

00:25:26: Und deswegen erlauben wir uns auch als BTV, zu aktuellem Fluchtgeschehen oder zu aktuellen Vertreibungen entsprechend das Wort zu ergreifen.

00:25:36: Ich habe ganz bewusst den Sudan erwähnt.

00:25:39: Im Sudan sind derzeit über dreizehn Millionen Menschen auf der Flucht.

00:25:43: Wir hatten vergleichbare Zahlen vor wenigen Jahren in Syrien.

00:25:48: Da spielen sich teilweise humanitäre Katastrophen ab... Gerade im Sudan, die von der Weltöffentlichkeit aus meiner Sicht – das erlaube ich mir auch zu sagen – nicht ausreichend genug wahrgenommen werden.

00:26:00: Und wir als BDV legen dadurch aus den Finger in die Wunde und versuchen auch für aktuelle Vertreibungen wie gesagt himmelschreiend völkerrechtwidrige Vertreibung die Stimme zu erheben bzw.

00:26:14: für die Vertriebenen die Stimmen zu ergeben und darauf hinzuweisen dass hier mehr auch öffentliche Aufmerksamkeit dringend nottut.

00:26:21: Und deswegen ist das kein Gegensatz, dass der nationale Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung der Deutschen am Weltflüchtlingstag begangen wird.

00:26:32: Sondern ich glaube es gibt da sogar sehr viel Synergieeffekte wenn ich das mal so formulieren darf, die sich daraus ergeben.

00:26:39: Was ich sehr spannend fand, dass am diesjährigen zwölften Gedenktag der KASU-Dienst und Kriegsgräber für Sorge eingeladen wurden.

00:26:48: Und über ihre Arbeit auch berichtet haben.

00:26:50: das Mandat des der KAsuchdienstes läuft mindestens noch bis zweizig achtundzwanzig soll aber bis zwanzig vierzig verlängert werden.

00:26:58: Wir haben schon gesprochen, ungefähr zwei Millionen Menschen von den Vertriebenen sind verschollen.

00:27:05: und da habe ich meine Frage an Sie.

00:27:07: Welche Bedeutung hat der Suchtdienst tatsächlich nach achtzig Jahren

00:27:11: noch?

00:27:13: Ich bin der feste Überzeugung dass der Suchdienst des deutschen roten Kreuzes eine eminent-hohe Bedeutetung hat.

00:27:19: Und ich war selbst parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium als es überlegungen gab die Unterstützung des Suchtdienstes einzustellen.

00:27:27: Der Sucht-Dienst hat jetzt noch zwei Zentren in München und Hamburg, und ich habe damals gemeinsam mit dem Bundesinnenminister Horst Seehofer dann auch dafür gekämpft und dann auch die Entscheidung getroffen, dass die Unterstützung der Sucht Dienste es weiter fortgesetzt wird – Ich bin mir auch sehr sicher, dass diese Arbeit über das Jahr also im Jahr ist, weil es dringend notwendig ist.

00:27:50: Es gibt interessanterweise jedes Jahr beim Sucht Dienst und die Zahlen sind sehr stabil über Zehntausend Anfragen.

00:27:58: Also wer glaubt, es gäbe kein Interesse mehr an der Arbeit des Suchdienstes?

00:28:05: Es geht ganz konkret natürlich auch oftmals um die Frage wo ist mein Großvater gefallen, wo ist er beerdigt, wo sind die sterblichen Überreste... Und wie ich vorher gesagt habe wir haben jetzt glaube ich eine Bekenntnisgeneration, eine junge Generation sehr neugierig ist, die auch sehr daran interessiert ist mehr über die Lebensgeschichte der Vorfahren in Erfahrung zu bringen.

00:28:32: Und deswegen ist die Arbeit des Suchtdienstes ... Sie war in der Vergangenheit sehr wichtig aber sie ist nach wie vor sehr wichtig und ich werbe nachtrücklich dafür dass diese Arbeit auch weiterhin mit öffentlichen Mitteln unterstützt wird genauso wie die Arbeit das Volksbundesdeutsche Kriegsgräber für Sorge, die sehr wertvoll ist.

00:28:53: Hier wird gerade in ehrenamtlicher Arbeit unheimlich viel sinnstiftendes gemacht was die Pflege von Soldatenfried-Höfen anbelangt im Deutschland aber vor allem auch im Ausland und da ist jeder eingesetzte Euro ein sehr wertful und gut eingesetzter Euro.

00:29:11: Vielen Dank.

00:29:12: Es gab vor der Vertreibung, in den jährlichen Sovietunionen schon mal eine Vertreibung des sogenannten Starlin-Erlasses vom August, von dem Kurzen nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion.

00:29:31: Dieser Starlin Erlass hat zur Deportation der Volga Deutschen geführt.

00:29:42: entrechtet, enteignet und deportiert.

00:29:43: Rund eine Million Menschen waren von Deportationen und Zwangsumsiedlungen betroffen.

00:29:49: Und mindestens hundertfünfzigtausend Menschen kamen in Folge von Depotationszwangerbeit und den unmenschlichen Lebensbedingungen ums Leben.

00:29:57: also die Zahlen sind erschreckend und erschreckende ist eigentlich auch dass das Bewusstsein dafür nicht wirklich in der Bevölkerung vorhanden ist.

00:30:04: im meiner Wahrnehmung aber fünfundachtzig Jahre nach diesen Deportitionen der Volga Deutschen Was ist aus Ihrer Perspektive in den letzten Jahren geschehen, um dieses Schicksal stärker vielleicht auch in Zusammenarbeit mit russischen Stellen stärker aufzuarbeiten und transparent zu machen?

00:30:24: Insbesondere weil das Verhältnis zu Russland sich jetzt ja in den nächsten Jahren aufgrund des russischer Angriffskrieges.

00:30:30: generell massiv verschlechtert hat.

00:30:32: Sehen Sie trotzdem noch eine Perspektive dafür, dass auch das schwere Schicksal der Volga-Deutschen weiterhin durch den BDV thematisiert und aufgearbeitet werden kann?

00:30:42: Ich habe lieber ernst darauf hingewiesen, dass dem Thema Flucht und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus meiner Sicht in der deutschen Nachkriegsgeschichte nicht erstellen Wert eingeräumt wurde – leider in mancherlei Hinsicht auch nicht wird – der ihm eigentlich gebührt.

00:30:59: Dramatischer finde ich dies bei dem Thema Deportation der Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion.

00:31:06: Das ist ein Thema, das auch in den Geschichtsbüchern in keiner Weise behandelt wird.

00:31:13: Sie haben darauf hingewiesen, dass nur wenige Wochen nach dem wohlgemerkt von deutscher Hand begonnenen barbarischen und brutalen Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjet-Union der oberste Sowjet beschlossen hat als Kollektivbestrafung alle Deutschen in der Sowjetunion zu deportieren, zur Zwangsarbeit zu verpflichten oder sehr viele zur Zwanksarbeit in der Trudarmee zu verpflichten.

00:31:40: Das ist etwas was im Bewusstsein der deutschen und der deutschen Nachkriegsgeschichte eigentlich vollkommen untergeht.

00:31:48: Und deswegen war es mir persönlich auch sehr wichtig dass wir bei dem diesjährigen Tag der Heimat Fünfundachtzig Jahre nach diesem sogenannten Sterlingerlass vom achtundzwanzigsten August, nineteenhundertneinundvierzig diesen Thema auch einen ganz klaren Schwerpunkt zu ordnen.

00:32:02: Und die Rückmeldungen, die ich von den Russland-Deutschen bekommen habe und von den Angehörigen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland waren wirklich überwältigen gab eine große Genugtuung sag' ich mal ganz offen das endlich mal dieses Thema auch zu einem Schwerpunktthema gemacht wurde, weil die Auswirkungen wirklich dramatisch waren.

00:32:21: Es sind knapp eine Million Deutsche in den ersten Monaten und in den Niedernzehnten in den Neunzehnteinhalb Jahren deportiert worden.

00:32:29: Für Hundertfünfzigtausend Deutsche haben die Folgen der Departition nicht überlebt.

00:32:35: Sie sind bei der Zwangsarbeit um das Leben gekommen ermordet worden.

00:32:39: Und es ging ja nicht nur darum Menschen zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden, sondern sie sind ihrer angestammten Hemmart beraubt worden.

00:32:47: Sie sind entrechtet worden, sie sind ihre eigenen Sprache berauppt worden – es war dann verboten überhaupt deutsch zu sprechen.

00:32:54: und sie sind damit natürlich auch ihre eigene Identität berauppt worden.

00:32:58: Es gab zu keinem Zeitpunkt eine nur annähernd ausreichende Rehabilitierung Und das ist etwas, was aus meiner Sicht dieses besondere Kriegsfolgenschicksal, dass den Deutschen in der Sowjetunion zuteil wurde.

00:33:14: Ist etwas, das uns auch als aktuelle politische Verantwortungsträger nicht lassen werden darf und wir tragen hier weiterhin Verantwortung.

00:33:25: So schlimm das Schicksal der Deutschen in der Sowjetunion war, wie gesagt nur aufgrund des Umstandes.

00:33:30: Nicht weil sie sich persönlich irgendwie Schuldig gemacht haben, sondern nur auf Grund des Umständes sind sie kollektiv bestraft worden, weil sie Deutsche waren.

00:33:38: Trotzdem haben Sie nicht aufgesteckt und haben auch aus diesem schweren Schicksaal eine enorme Stärke entwickelt.

00:33:46: Und was ich schon auch sagen möchte, sind ja dann nach, auch wiederum nach dem Fall des eisernen Vorhangs.

00:33:51: Nach dem Zusammenfall der Sowjetunion viele Deutsche aus Russland, aus Kasachstan, aus Usbekistan nach Deutschland gekommen in die neue Heimat und die Aufnahme erfolgte leider ja nicht immer ganz so konfliktfrei wie es hätte eigentlich vonstatten gehen können weil sie... wir haben das auch viele Russland-Deutsche sehr demütig berichtet.

00:34:15: Sie waren in der Sowjetunion, Bürger zweiter Klasse und als sie nach Deutschland gekommen sind, waren sie wiederum auch Bürger zweter Klasse Und da hat die aufnehmende Gesellschaft aus meiner Sicht nicht mit der notwendigen Empathie immer agiert.

00:34:30: Dieses besondere Schicksal ist leider auch in Deutschland zu wenig gewürdigt worden und deswegen ist es mir umso wichtiger, dass wir jetzt als BTV hier deutlich stärker auch die Scheinwerfer drauf richten und auf diese besonderen Schicksale hinweisen.

00:34:45: Vielen Dank vor dem Deutschen Bundestag!

00:34:47: Auf den Weg zur Ihren Büro... eine Protestiererin gesehen, die darauf hingewiesen hat dass wir die ukrainischen Opfer des im fünften Jahr stattfindenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht vergessen sollten.

00:35:02: und der Krieg hat jetzt in den letzten vierenhalb Jahren sehr viel Leid produziert und auch Flucht- und Vertreibung eingeschlossen.

00:35:11: Welche Position welche Arbeit leistet der BDV zu diesem Thema?

00:35:16: das russische Angriff?

00:35:18: Die Angriffskriegs gegen die Ukraine?

00:35:20: wird eventuell auch die Ukraine vom BDV unterstützt.

00:35:25: Der BDF hat hier eine glasklare Position, wir verurteilen natürlich Schärfstens den auch wiederum in keiner Weise legitimierten Angriffskrieg Putins und Russlands auf die Ukraine.

00:35:40: ist eine Selbstverständlichkeit, aber wir zeigen natürlich auch sehr viel Solidarität mit der Ukraine.

00:35:45: Es gibt durchaus auch viele Ukrainerinnen und Ukraine die von uns mit beraten werden.

00:35:52: Der BDV, einige Landesverbände, auch einige Landsmannschaften beispielsweise auch die Landsmannenschaft der Deutschen aus Russland sind ja sehr aktiv in der Migrationsberatung für Erwachsene.

00:36:02: also der BDF engagiert sich sehr stark in der Und natürlich beraten wir auch sehr intensiv Ukrainerinnen und Ukraina.

00:36:13: Wie vorhin schon gesagt, ich glaube gerade der BDV kann authentischer und glaubwürdiger als andere Organisationen sich beim Thema Flucht- und Vertreibung zu Wort melden.

00:36:24: Deswegen sehen wir hier eine Verantwortung Deutschlands weiterhin die Ukraine zu unterstützen.

00:36:31: Wir sind der Bundesregierung dankbar, dass die humanitäre aber auch die militärische Unterstützung der Ukraine jetzt im fünften Jahr dieses Inversionskrieges nicht geschmälert wird.

00:36:46: Ganz im Gegenteil und natürlich muss ... Tür Deutschlands auch weiterhin offen bleiben, wenn es darum geht ukrainische Flüchtlinge aufzunehmen.

00:36:55: Wir haben neben Ländern wie Tschechien und Polen hier in ganz besonderer Weise in den letzten Jahren uns engagiert und werden dies auch mit Sicherheit weiter tun weil dieser Vernichtungs- und Inversionskrieg Einfach in barbarischer Art und Weise eine Zäsur in der Nachkriegsgeschichte des europäischen Kontinents ist.

00:37:17: Zum ersten Mal, seit dem Zweiten Weltkrieg wird von einer autoritären Macht im Fall von Russland versucht Grenzen wieder rechtlich zu verschieben gegen den erklärten Willen der Ukraine zu verschieben Und das können wir natürlich in keiner Weise tolerieren und akzeptieren.

00:37:36: Und wir sind hier nicht neutral, ganz im Gegenteil.

00:37:38: Wir stehen klar auf der Seite der Ukraine Und hoffen natürlich, dass es in den nächsten Monaten zu einer Befriedung der Situation kommt.

00:37:46: Ich sage aber auch ganz offen man kann nur mit Menschen über Frieden, über Waffenstillstand und vielleicht dann im Anschluss auch über Friede verhandeln die auch dazu bereit sind und diese Bereitschaft sehe ich derzeit bei Vladimir Putin in keiner Weise.

00:38:01: Natürlich ist die Diplomatie ein wichtiges Mittel um zu einer Streitbeilegung beizutragen Aber zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich zumindest kein ernsthaftes Bemühen.

00:38:13: Putins wirklich auf die Ukraine oder den Westen zuzugehen und er hätte selbst in der Hand, wenn er seine Truppen zurückziehen würde, wäre der Krieg morgen beendet.

00:38:23: Dass sich die Ukrainer in einem aufopferungsvollen Verteidigungskrieg zur Wehr setzen ist aus meiner Sicht wirklich in höchster Weise anerkennenswert und wie gesagt muss auch weiterhin von Deutschland aber auch von anderen westlichen Ländern unterstützt werden.

00:38:38: Vielen Dank.

00:38:39: Wir nähern uns dem Jahreswechsel in drei Monaten.

00:38:44: Und der BDV fährt sein siebzigjähriges Jubiläum im nächsten Jahr, Sie wurden in den Neunzehnten, siebenfünfzig gegründet.

00:38:52: Gibt es jetzt drei Monate vor dem Beginn des nächsten Jahres?

00:38:56: Gibt das da schon Ziele die sich selber vornehmen als Verwandt?

00:39:02: Jubilän sind natürlich immer wichtige Ereignisse für ... jeden einzelnen für Privatpersonen, aber natürlich auch für Verbände wie den BDV.

00:39:11: Deswegen werden wir dieses Jubiläum-Siebzig Jahre Gründung des Bundes der Vertriebenen in Gebühren der Weise begehren im kommenden Jahr.

00:39:21: Aber ich sage hier auch ganz offen, unabhängig jetzt von der Jahreszahl und dem konkreten Jubiläum.

00:39:27: Wir haben natürlich große Herausforderungen als BDV.

00:39:31: Ich habe die Staffelstabübergabe vom Erlebnis zur Bekenntnisgeneration erwähnt.

00:39:37: Natürlich gehört das zu Wahrheit werden die Mitgliederzahlen in den meisten Landsmannschaften nicht größer sondern eher kleiner Und ich habe dies auch schon bei meiner Wahl zum Präsidenten des BDV gesagt.

00:39:52: Ich sehe mich und das jetzige Präsidium, wir stehen ja auch im kommenden Jahr zur Wiederwahl an in der Verantwortung den BDF jetzt in eine gute und in eine aussichtsreiche Zukunft zu führen.

00:40:05: Und ich hab ja in den letzten Minuten einige Themen angesprochen die aus meiner Sicht sehr tagesaktuell sind.

00:40:11: von der Bildungspolitik oder von der Reform der Bildungspolitik über die Weiterentwicklung der Dauerausstellung der Stiftung Fluchtvertreibung, Versöhnung bis zu rentenrechtlichen Themen, bis zu Themen des Bundesvertriebenengesetzes gibt es wirklich eine große Litanei an aktuellen Herausforderungen und Themen.

00:40:29: Und deswegen gehe ich sehr motiviert und sehr engagiert in das Jubiläumsjahr des BDV Und weiß auch, dass ich hier nicht alleine stehe.

00:40:40: Sondern dass wir wirklich sehr aktive und engagierte Landsmannschaften haben.

00:40:44: Dass wir im Jugendbereich durchaus sehr schöne Entwicklungen haben wenn ich mir die Sudeten-Deutsche Jugend ansehe wie viele junge Leute bei den Siebenbürgersachsen, bei den Panathaschwaben engagiert sind.

00:40:58: Auch bei den diesjährigen Ostpreustentreffen in Wolfsburg waren es wieder sehr viele junge Gesichter.

00:41:04: das ermutigt mich Und das gibt mir auch sehr viel Hoffnung und Zuversicht, dass nicht nur der BDV in eine gute Zukunft geht.

00:41:12: Sondern dass vor allem auch unsere Landsmannschaften – unsere Landesverbände – eine prosperierende Zukunft vor sich haben.

00:41:20: Da gibt natürlich ein Jubiläumsjahr immer noch mal zusätzlichen Schwung und zusätzliche Motivation.

00:41:26: Vielen Dank, man kann also sagen der BDV wird im letzten Jahr siebzig Jahre jung.

00:41:31: Wenn ich es richtig verstanden habe und vielen dank immer ja für das sehr spannende Gespräch.

00:41:37: Wir sind tief in die deutsche und europäische Geschichte eingetaucht.

00:41:40: wir haben über ihre persönlichen Perspektiven auf das Thema gesprochen Aufgrund ihrer sudeten deutschen Familienwurzeln Und da bin ich ihnen besonders dankbar für weil Ich glaube dass wir so ein thema nicht in erster linie über Museen und Schulbücher und Schulunterricht als trockenes Wissen aufnehmen, sondern durch solche Gespräche mit Zeitzeugen.

00:42:04: Und zwei Zeugen und den Menschen die sich aus Familiengeschichtlichen Gründen auch mit den Themen beschäftigen.

00:42:12: Ganz ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch!

00:42:15: Ich möchte es nicht versäumen.

00:42:17: Lieber Dr.

00:42:17: Ernst mich bei Ihnen ganz herzlich zu bedanken für Ihr großartiges Engagement und Sie sind unseren Themen Ja, nicht nur sehr gewogen.

00:42:25: Sondern begleiten diese schon seit vielen Jahren sehr akkurat, sehr aufmerksam, sehr professionell, sehr substanziert und das verdient wirklich größten Respekt und hohe Anerkennung.

00:42:37: Und deshalb wird Dr.

00:42:38: Ernst auch an ihre Adresse ein ganz herzliches Dankeschön, ein ganz herzliches

00:42:55: Vergeltsgott!