Menschenrechte: nachgefragt! - Der Interview-Podcast rund ums Thema Menschenrechte

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00:00:02: Menschenrechte nachgefragt.

00:00:04: Der Interview-Podcast der politischen Meinung und der Konrad Adenauer Stiftung Heute mit.

00:00:11: Mein Name ist Helena Lühr und ich arbeite in der Advocacy-Abteilung beim International Rescue Committee hier in Deutschland.

00:00:18: Das ist die Politikabteilung bei IAC, ja... Ich habe in meinem Alltag sehr viel mit politischen Entscheidungsträgerinnen hier in Berlin zu tun, vor allem auch das Auswärtige Amt oder auch das BMZ aber natürlich auch mit Abgeordneten aus dem Deutschen Bundestag.

00:00:34: Herzlich willkommen zu deinem ersten Podcast überhaupt!

00:00:38: unserem ersten Podcast beim Podcast Menschenrechte nachgefragt.

00:00:42: Sehr schön Helena, dass du hier bist heute in der Konrad-Adenau-Stittung.

00:00:46: Wir haben uns tatsächlich auch im Deutschen Bundestag kennengelernt als du ein Gespräch über eure Arbeit mit Abgeordneten des Deutschen Bundestags geführt hast die Menschenrechtsausschuss auch für das Thema humanitäre Hilfe zuständig sind was ich sofort sehr überraschend fand dass ich tatsächlich von euch nicht wirklich vorher gehört hatte, obwohl ihr eine sehr lange Geschichte habt.

00:01:09: Was kannst du uns als Hobbyhistoriker vielleicht erzählen über eure Geschichte?

00:01:16: Ja, sehr gerne.

00:01:18: Genau und das passiert uns immer wieder, dass Personen ISC noch nicht kennen aber es werden immer mehr und ich hoffe auch, dass dieser Podcast vielleicht dazu beitragen kann.

00:01:26: ISC ist tatsächlich schon sehr alt, würde ich sagen.

00:01:29: als Organisation Wir wurden in der Jahr neunzehntdrein dreißig gründet auf Anregung von Albert Einstein zur Gründung einer Organisation aufrief aus der dann später ISC hervorgehen Und das Ziel von Albert Einstein war Menschen zu unterstützen die von den Nazis in Deutschland fliehen wollten, vor allem in die USA.

00:01:50: Und deswegen hat auch ISC bis heute unseren Hauptsitz in New York und wir haben dann nach dem Zweiten Weltkrieg unsere Arbeit sehr stark ausgeweitet sind mittlerweile auf verschiedenen Kontinenten aktiv also in Asien Afrika Europa Süd- und Nordamerika und sind eine globale Hilfsorganisation die in vierzig Ländern arbeitet und Unterstützung für Menschen anbietet, die Schutz suchen oder auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.

00:02:18: Oder Fluchterfahrung haben.

00:02:20: Wir sind im Jahr zwei Tausendsechzehn nun in Deutschland also feiern wir zehnjähriges Jubiläum.

00:02:25: Und der Grund, warum Ayasi sich dann dazu entschieden hat ein Büro in Berlin zu eröffnen war das zu der Zeit die deutsche Bundesregierung ein immer wichtiger Akteur im internationalen humanitären System wurde.

00:02:39: Die Mittel wurden damals auch sehr stark aufgestockt.

00:02:42: Berlin hatte eine immer stärkere Mitsprache bei humanitären Diskussionen und gleichzeitig waren wir zu dem Zeitpunkt ja auch in der Situation wo sehr viele Menschen nach Deutschland geflohen sind, insbesondere aus Syrien.

00:02:56: Und als sie hat dort ja sehr viel Erfahrung was die Arbeit mit geflüchteten Menschen angeht und hat dann auch angefangen in Deutschland Programme

00:03:04: anzubieten.

00:03:05: Vielen Dank!

00:03:06: Was ich sehr spannend finde aus historischer Perspektive das ihr schon in den fünften Jahren beispielsweise beim Ungarn-Aufstand der in diesem Jahr sein siebzigstes Jubiläum feiert.

00:03:19: und seit fifty-six habt ihr schon den Ungarn Flüchtlingen.

00:03:23: Ihr habt in den Achtzigerjahren in Polen den Mitgliedern von Solidarnosch-Hilfe-Gleistet, die unterdrückt wurden von der Diktatur.

00:03:31: In den Neunzeigerjahren beim Golfkreep den Kurden geholfen.

00:03:35: Also ihr wart in ganz vielen sehr bekannten Konflikten aktiv und heute seid ihr ja schon angesprochen in sehr vielen verschiedenen Ländern?

00:03:44: Wie unterscheidet sich eure Arbeit heute in den unterschiedlichen Ländern?

00:03:49: Wie du es schon sagst, ISC ist in sehr unterschiedlichen Kontexten aktiv und wir unterstützen weltweit Menschen in Krisensituation- und Konfliktkontexten.

00:03:59: Wir setzen sowohl auf der einen Seite humanitäre Programme um also wirklich lebensrettende und überlebenswichtige Maßnahmen Für Menschen in absoluten Krisen, wie zum Beispiel in bewaffneten Konflikten oder nach Naturkatastrophen.

00:04:14: Gleichzeitig sind wir auch im Aufnahmegemeinden aktiv und unterstützen Sie dabei, resilient zu bleiben gerade wenn sehr viele Menschen ankommen aus humanitären Kontexten also insbesondere auch in den jeweiligen Regionen von diesen Kontexts.

00:04:30: Zum Beispiel unterstützen mir sehr viele sudanesische Geflüchtete direkt in den Nachbarländern wie z.B.

00:04:36: im Chat.

00:04:37: Aber wir unterstützen Menschen auch, wenn sie dann in Europa oder den USA ankommen und haben auch hier in Deutschland verschiedene Programme unter anderem im Bildungsbereich aber auch Rechtsberatung- oder Arbeitsmarktorientierung.

00:04:53: Also sind da sehr vielseitig aufgestellt und setzen die Programme bundesweit um.

00:04:59: Natürlich sind das alles sehr unterschiedliche Kontexte und man muss sehr viel beachten bei diesen unterschiedlichen Kontexten.

00:05:06: Und deswegen muss IAC die Programmarbeit immer an jeweiligen Bedarfe auch anpassen, und an die jeweilige Zielgruppen.

00:05:13: Wir arbeiten hier auch sehr eng mit verschiedenen lokalen Partnerorganisation zusammen.

00:05:18: Also zum Beispiel in humanitären Kontexts sehr stark mit lokalem Gruppen.

00:05:23: Das sind teilweise auch lose Netzwerke, Nachbarschaftskomitees... Aber auch insbesondere frauengeführte Organisationen, weil wir einen besonderen Fokus auf Frauen und Mädchen in unserer Arbeit umsetzen.

00:05:37: In Deutschland sind das aber auch zum Beispiel Migrantinnen-Selbsorganisationen.

00:05:42: Das ist sehr wichtig damit wir sicherstellen dass die Programme wirklich die Bedarfe unserer Zielgruppe

00:05:48: abdecken.

00:05:50: Es nochmal herzlichen Glückwunsch!

00:05:52: zu zehn Jahre, Jubiläum.

00:05:56: Was würdest du sagen rückblickend?

00:05:58: Was sind eure größten Erfolge?

00:06:00: Was waren eure wichtigsten Themen in den letzten zehn Jahren

00:06:04: gewesen?

00:06:06: Ich glaube, zunächst möchte ich sagen, dass wir sehr klein angefangen haben in Berlin.

00:06:10: Es war wirklich nur ein ganz kleines Team, ein paar Leute und wir sind sehr schnell gefachsen.

00:06:14: in den letzten zehn Jahren Und aktuell arbeiten tatsächlich fast zweihundert Mitarbeiter für IAC Deutschland Tatsächlich komplett verstreut in der Bundesrepublik.

00:06:25: Wir konnten auch mit unseren Programmen weltweit einige Erfolge erzielen auf die wir sehr stolz sind.

00:06:32: Und um das vielleicht noch ein bisschen anschaulicher zu machen, dachte ich, ich bringe ein konkretes Beispiel aus unserer Programmarbeit einmal mit.

00:06:39: Das ist aus dem Gesundheitsbereich!

00:06:41: Und zwar konnten wir mit der globalen Impfallianz GAVI, heißt die mehr als dreißig Millionen Impftosen in Fragilen und konfliktbetroffenen Gegenden verteilen.

00:06:54: Darunter waren auch tatsächlich eine Million Kinder, die zuvor noch gar keine Impfung erhalten haben.

00:07:00: Wir alle wissen wie wichtig Impfungen sind um Krankheiten zu vermeiden Am Ende auch Leben zu retten.

00:07:07: natürlich und daher ist uns das besonders wichtig, dass alle Menschen dieser Beimpfungen erhalten.

00:07:13: Und eben auch in Kontexten wo es schwierig ist die Menschen wirklich zu erreichen und dass sie eine Gesundheitsversorgung erhalten.

00:07:21: Und da kommen wir als humanitäre Organisation mit unserer besonderen Expertise rein, in diesen Kontexten zu arbeiten und versuchen diese Lücke zu schließen, die es halt gibt bei traditionelle Akteure im Gesundheitsbereich dort nicht einfach so hinkommen oder das auch teilweise zu gefährlich ist und arbeiten dabei sehr eng mit Partnerorganisationen wieder zusammen, die häufig den besten Zugang haben zu den Menschen.

00:07:48: Das ist ein sehr, sehr erfolgreiches Projekt und wir sind auch sehr froh, dass dieses Projekt über die Bundesregierung mitfinanziert wird, über das BMZ – und hoffen auf jeden Fall, dass die Unterstützung weitergehen wird.

00:08:02: Deutschland hatte im Jahr zwanzig dreiundzwanzig noch zwei Komma sieben Milliarden Euro in die humanitäre Hilfe investiert.

00:08:12: Im aktuellen Haushalt sind noch gut eine Milliarde davon übrig geblieben, also ein Drittel ungefähr.

00:08:20: Trotzdem ist Deutschland ein sehr großer Geber im Vergleich nach den USA bei der humanitären Hilfe auf Platz zwei gemeinsam mit der Entwicklungszusammenarbeit sogar auch die größte Geber international aus eurer Perspektive wo ihr jetzt auch in Deutschland arbeitet.

00:08:38: Welche Verantwortung verbindet sich damit eigentlich dieser Position, so ein großer wichtiger internationaler Geber humanitärer Hilfe zu sein?

00:08:47: Ja, in der Tat ist Deutschland trotz der zahlreichen Kürzungen immer noch einer der größten Geber für die humanitäre Hilfe und auch für die Entwicklungszusammenarbeit.

00:08:56: Das liegt leider wie gesagt nicht an den besonders guten finanziellen Ausstattungen hier in Deutschland sondern dass wir einfach sehen das global ja die Finanzierung für Auslandshilfen insgesamt sehr stark zurückgehen.

00:09:09: und damit meinen wir nicht nur die USA Auch andere Geber wie zum Beispiel UK aber halt auch Deutschland kürzen dort massiv.

00:09:17: Als ich angefangen habe, bei ISD zu arbeiten zu diesen Themen und das ist jetzt fast vier Jahre her war Deutschland tatsächlich noch wirklich einer der größten Geber.

00:09:25: Und das konnte man auch so benennen weil in Jahr zwanzig hat die Bundesregierung tatsächlich fast drei Milliarden Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung gestellt.

00:09:36: Und dort haben wir gesehen, dass sich sehr viele Strukturen auch im Auswärtigen Amt gefestigt haben und sehr viel Expertise aufgebaut wurde.

00:09:44: Deutschland ist relativ später zugekommen in diesem Club der Top-Geber, sag ich mal, für die humanitär Hilfe um hat da sehr nachgezogen Und sehr viel aufgebaut und wir haben nun aktuell schon die Sorge, dass vieles davon auch wieder zurück gebaut wird.

00:09:58: Auf der einen Seite natürlich die humanitäre Finanzierung insgesamt aber auch was der Stellenwert dieses Themenfels in der deutschen Politik und auch im auswärtigen Amt angeht und dafür setzen uns sehr ein das man das nicht einfach alles zurückschraubt.

00:10:15: Aktuell haben wir auch Haushaltsdiskussionen.

00:10:17: Der Haushalt wird verhandelt und wir hören aus dem Bundestag oder auch aus dem Auswärtigen Amt, dass leider auch im nächsten Jahr ... Wieder Kürzungen anstehen könnten.

00:10:30: Und wir laufen gerade wirklich gefahren, dass wir dann unter die eine Milliarde Euro für humanitäre Hilfe fallen was viel zu wenig ist insbesondere wenn wir uns anschauen das die Bedarfe grade wirklich auch steigen und auch Konflikte zunehmen Klimakatastrophen zunehmend und das einfach nicht finanziell unterfüttert wird.

00:10:50: Und ich glaube leider auch, dass in der internationalen Diskussion das vor allem im Zentrum steht und auch bei Staaten im globalen Süden gesehen wird.

00:11:00: Dass dort auch Deutschland sich zurückzieht und dass das leider aktuell eher der Fokus der Diskussion ist.

00:11:08: Die Folgen von diesen Kürzungen hat nicht nur von Deutschland aber halt auch... Insgesamt, die weltweiten Kürzungen sind wirklich verheerend.

00:11:17: Es gab eine Studie in dem Journal Valencid und die gehen davon aus dass eins Komma acht Millionen Menschen zweitausundfünfundzwanzig gestorben sind aufgrund dieser Kürzung und darunter waren fast siebhunderttausend Kinder Und ich glaube wir sind uns alle einig das wir das gerne vermeiden würden und dass das schrecklich ist dass diese menschen gestorban sind und deswegen setzen wir uns sehr dafür ein, dass es wieder Aufstockungen gibt statt Kürzungen.

00:11:45: Vielen Dank du hast diese enormen humanitären Bedarfe angesprochen und auch das Problem der erheblich gesunkenen Mittel für die humanitäre Hilfe.

00:11:58: welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das Thema Krisenprävention für eure Arbeit?

00:12:04: Ja, als humanitäre Organisation oder insgesamt in der humanitären Hilfe reagieren wir häufig natürlich erst mal auf Krisen.

00:12:12: Also wenn irgendwo ein bewaffneter Konflikt ausgebrochen ist dann sind wir die Organisation, die die Menschen direkt versorgen.

00:12:20: Deswegen ist das jetzt nicht unser Kernbereich würde ich sagen.

00:12:23: aber auch in der Humanitärenhilfe haben sich Ansätze herausgearbeitet Vorausschauend arbeiten und sich gerne vorbereiten wollen.

00:12:35: Ein gutes Beispiel ist die vorausschauende humanitäre Hilfe im Bereich von Klimakatastrophen beispielsweise, da kann ich gern auch ein Beispiel wieder einbringen aus unserer Arbeit und zwar setzen wir mit der Unterstützung vom Auswärtigen Amt auch einem Projekt in Somalia um im Bereich der vorausschauenden humanitären Hilfe und dort versuchen wir mit der Hilfe von verschiedenen Daten, Wettervorhersagen frühzeitig zu erkennen ob Dürren oder Überschwemmungen anstehen.

00:13:07: Und wenn die Daten darauf hindeuten und wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen können, dass eine Klimakatastrophe ansteht, die die Menschen sehr stark betreffen wird.

00:13:17: Dann können wir schon im Vorfeld präventive Bargelds helfen leisten.

00:13:21: also die Menschen können sich auf die anstehende Katastrophe vorbereiten.

00:13:26: ja das ist natürlich viel besser als wenn sie davon überrascht werden und akut handeln müssen.

00:13:33: Sie können zum Beispiel zusätzliches Futter direkt schaffen, Einlagern und gleichzeitig spart diese Ansatz aber auch Kosten weil es immer teurer ist erst im Nachgang zu handeln und es ist immer günstiger sich vorzubereiten um die Menschen von Anfang an zu unterstützen.

00:13:51: das ist auf jeden Fall für uns ein sehr vielversprechender Ansatz den wir gerne weiter umsetzen.

00:13:57: Um nochmal eine Anschlussfrage zu stellen, also humanitäre Hilfe und Krisenprävention sind in einem engen Kontext zu sehen.

00:14:08: Wie weit kann denn humanitärer Hilfe beispielsweise auch dazu beitragen diese enormen Flucht- und Migrationsbewegung die wir jetzt weltweit haben zu reduzieren?

00:14:19: Ja, die humanitäre Hilfe ist in erster Linie ein Instrument um Menschenleben zu retten.

00:14:23: Und das ist wirklich ihre zentrale Aufgabe und sie kann nicht ein Instrament von Migrationspolitik sein.

00:14:30: Das widerspricht auch den humanitären Prinzipien.

00:14:33: also sich muss neutral sein unabhängig und unparteilich.

00:14:39: Das muss man immer wieder betonen, dass das der zentrale Auftrag der humanitären Hilfe ist.

00:14:45: Zur Migration werden wir auch noch näher auf Sudan eingehen?

00:14:49: Und in Sudan sind tatsächlich fast vierzehn Millionen Menschen vertrieben aufgrund des bewaffneten Konflikts.

00:14:56: Aber der größte Teil bleibt tatsächlich im Land selbst, also schafft es gar nicht, Sudan zu verlassen und nur vier Komma fünf Millionen Menschen konnten Sudan verlassen bleiben dann aber in den direkten Nachbarländern also z.B.

00:15:11: Chad oder Süd Sudan, Äthiopien und Ägypten.

00:15:15: Und deswegen konzentrieren wir uns in unserer Arbeit vor allem darauf die Aufnahmegemeinden und ihre Resilienz zu stärken in den direkten Nachbarschaften – und natürlich die Menschen, die innerhalb des Landes vertrieben

00:15:29: sind.".

00:15:31: Im Bundestag hattet ihr ein Projekt vorgestellt, was ihr auch viele Jahre macht und zwar die sogenannte Emergency Watch List.

00:15:40: Was müssen wir über diese Watchlist wissen?

00:15:44: Was erreicht ihr damit oder möchtet ihr damit erreichen?

00:15:48: Die Emergency Watch list veröffentlichen wir jedes Jahr im Dezember war eigentlich ein Instrument für IAC selbst, um sich auf das kommende Jahr vorzubereiten.

00:16:01: Also auch hier vielleicht ein Beispiel wie wir präventiv arbeiten können Und die Watchlist identifiziert zwanzig Länder, in denen sich die humanitäre Lage im kommenden Jahr am stärksten verschlechtern wird.

00:16:15: Wir folgen dort einem sehr analytischen Verfahren mit verschiedenen Daten, insgesamt vierundsiebzig quantitative und qualitative Indikatoren, die dann alle zusammengeführt werden um ein möglichst korrektes Bild zu erhalten.

00:16:30: Und bis zu ninety-fünf Prozent der Länder, die auf der Emergency Watchlist stehen, ja erleben dann leider auch eine Verschlechterung ihrer humanitären Lage im kommenden Jahr.

00:16:41: Die Emergency WatchList hat sich als sehr treffsicher erwiesen und deswegen hat sich IAC auch dazu entschieden, die Daten und die Analyse öffentlich zu machen damit nicht nur IAC davon profitiert sondern weitere humanitäre Organisationen, aber natürlich auch Geber die sich jedes Jahr vorbereiten und neue Schwerpunkte setzen was sie finanzieren wollen in der humanitären Hilfe beispielsweise.

00:17:09: Was vielleicht überrascht ist das jetzt Sudan seit drei Jahren eine Topposition ums mal so auszudrücken auf dieser Liste hat Und trotzdem als mehr oder weniger vergessener Konflikt lange galt.

00:17:30: Wie erklärst du dir das?

00:17:32: Du hast schon Zahlen genannt, wie viele Millionen vertrieben es gibt oder Flüchtlinge es im Sudan allein gibt aufgrund der Gewalt und der humanitären Krise.

00:17:41: Wie kann es trotzdem passieren dass Sudan als Vergessener konflikt gesehen wurde?

00:17:47: Ja vielleicht zwei Sätze zu Sudan selbst weil ich nicht weiß ob alle alle Informationen dazu haben.

00:17:52: Weil wie du schon sagst, es ist leider kein Konflikt der jetzt regelmäßig in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

00:17:58: und ja leider ist es so dass du da nun im dritten Jahr in Folge auf der Emergency Watchlist auf Platz einsteht und das sieht auch gerade nicht so aus als würde sich die Lage verbessern sondern ist tatsächlich so dass sie sich immer weiter verschlechtert.

00:18:11: Im April zwanzig dreiundzwanzig also vor drei Jahren ist ein Konflikt ausgebrochen, ein bewaffnlicher Konfliktt zwischen der Sudanesischen Armee kurz SAF genannt auch und den Rapid Support Forces kurz RSF genannt.

00:18:28: Und der Konflekt ist eigentlich in der Hauptstadt selbst in Kratum ausgebrochene und hat aber jetzt das ganze Land erfasst.

00:18:37: Die humanitäre Lage hat sich dadurch massiv verschlechtert.

00:18:41: Es ist die größte humanitärer Krise weltweit aktuell, und es ist auch tatsächlich die größten jemals verzeichnete humanitären Weltweite.

00:18:50: Zwei von drei Menschen in Sudan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

00:18:55: Und es ist leider auch die größste Ernährungskrise.

00:18:57: Also du siehst schon leider auf sehr vielen Rankings auf Platz eins.

00:19:02: Das ist auch die grösste Vertreibungskrise da bin ich ja eben drauf eingegangen.

00:19:06: Hälfte der Bevölkerung leidet unter Akuter, Mangel und Unterernährung.

00:19:10: Und wir haben auch einzelne Teile im Land wo ja schon eine Hungersnot bestätigt wurde und andere Regionen stehen auch kurz vor einer Hungersnote.

00:19:21: Der Konflikt ist vor allem dadurch gekennzeichnet dass er mit massiver Gewalt auch gegen die Zivilbevölkerung geführt wird.

00:19:29: Aber auch zivile Infrastruktur wird gezielt angegriffen, mehr als siebzig Prozent der Krankenhäuser in Sudan sind zerstört und können gar nicht mehr arbeiten als auch die gesamte Gesundheitsversorgung wurde leider Opfer des Konflikts.

00:19:44: Und vielleicht ein Punkt den ich noch machen möchte und der uns sehr wichtig ist es insbesondere die Lage von Frauen und Mädchen.

00:19:51: Insgesamt sind leider zwölf Millionen Menschen, und das sind vor allem Frauen und Mädchen von sexualisierter Gewalt betroffen.

00:19:59: Ja auch sexualisierte Gewalt die als Kriegsinstrument eingesetzt wird gegen die Bevölkerung Und ja daher auch wieder so wichtig dass wir uns insbesondere auf Frauen und Medien in unserer Arbeit konzentrieren.

00:20:14: Warum Sudan nicht im Zentrum der Öffentlichkeit steht Das kann ich leider auch nicht komplett beantworten.

00:20:20: Für uns steht ja im absoluten Zentrum der Öffentlichkeit und auch mit vielen Menschen, mit denen ich alltäglich zu tun habe in meiner Arbeit ... Ja, auch dort steht Sudan ins Zentrum.

00:20:31: Wir arbeiten hier mit einem großen Netzwerk zusammen mit unterschiedlichen Organisationen und machen gemeinsame Advocacy-Arbeit also politische Arbeit zu Sudan Und konnten da auch schon Erfolge erzielen.

00:20:45: Aber nichtsdestotrotz verdrängen natürlich auch die vielen anderen Konflikte.

00:20:49: Sudan aus der medialen Öffentlichkeit und wir arbeiten aber gemeinsam daran, dass sich das verändert.

00:20:55: Vielen Dank!

00:20:56: Ich glaube es hat sich jetzt auch im April ein bisschen was aus deutscher Perspektive auf jeden Fall verändert weil ja Deutschland bzw in Berlin die dritte internationale Sudan-Konferenz durchgeführt hat nach Paris und London Und das ist ja auch schon ein Zeichen, dass wenn jedes Jahr im Rahmen des dreijährigen Krieges solche Konferenz stattfindet, da es tatsächlich eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit, internationale Aufmerksamkeit besteht.

00:21:23: Jetzt in dieser Konferens hat man Sudan für die humanitäre Krise anderthalb Milliarden Euro zugesagt und das Auswärtige Amt hat recht ausführlich darüber berichtet – auch Kommunikäste Konferenz Teilnehmer.

00:21:38: Ich fand ein Statement sehr interessant und weil das auch auf eure Frage vielleicht eingeht, möchte ich das einfach von der Homepage des Auswärtigen Amtes einmal zitieren.

00:21:51: die Konfliktparteien allen voran Die RSF müssen dafür sorgen, dass Hilfsorganisationen vollständigen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang erhalten.

00:22:02: Nur so können die Menschen in Not zuverlässigt mit überlebensnotwendiger Hilfe versorgt

00:22:07: werden.".

00:22:08: Aus deiner Perspektive, weil ihr auch vor Ort arbeitet.

00:22:10: Wie kann denn das Geld in dieser akuten Kriegs- auseinandersetzung?

00:22:14: Wo jeden Tag Menschen durch Kampfhandlungen gefährdet werden und Umkommen abgeschnitten werden von Hilfe?

00:22:21: Wie kann dieses Geld, diese anderthalb Milliarden Euro, die jetzt zugesagt wurden, wie können diese Mittel überhaupt den Bedürftigen erreichen?

00:22:28: Und wie arbeitet ihr vor Ort, dass ihr aktuell humanitäre Hilfe leisten könnt?

00:22:35: Sehr wichtiger Punkt und erhumanitäre Zugang ... ist bei uns auch die absolute Priorität, bei unserer politischen Arbeit zu Sudan.

00:22:43: Bevor ich darauf eingehe vielleicht noch zwei Punkte zur Finanzierung und was zugesagt wurde für Sudan auf der Konferenz.

00:22:51: Ich glaube wir müssen schon anerkennen dass das eine große Summe ist insbesondere in Zeiten, wo die Budgets gerade zurückgehen.

00:22:59: Und ich glaube, die meisten haben auch nicht erwartet, dass sie somit so hoch ausfällt.

00:23:03: Jetzt geht es natürlich darum, dass das schnell verausgabt wird.

00:23:06: Wir stehen kurz vor der Regenzeit in Sudan.

00:23:09: Das bedeutet, dass viele Straßen auch nicht mehr passierbar sein werden und wir uns jetzt vorbereiten müssen für die Regen-Zeit.

00:23:19: Deswegen appellieren wir an alle Gieber, die dort Geld zugesagt haben, verplant wird und sich auch humanitäre Organisationen darauf aus danach richten können.

00:23:30: Aber tatsächlich ist es auch so, dass selbst mit diesen finanziellen Zusagen der Hilfsplan der Vereinten Nationen, jeden humanitären Kontext aufgesetzt und der wäre mit diesen Zusagen tatsächlich nur zu forty-seven Prozent, also noch nicht mal die Hälfte finanziert.

00:23:49: Und das bedeutet dass ja nicht der gesamte Bedarf an lebenswichtiger Hilfe oder hier lebens wichtigen Bedarfen gedeckt werden kann.

00:23:57: Deswegen sind wir da sehr deutlich und sagen es braucht einfach auch im kommenden Jahr oder in diesem Jahr auch noch später im Jahr zusätzliche Mittel.

00:24:06: Also auch dieser Betrag muss trotzdem weiter aufgestockt werden, weil das was die Vereinten Nation sagen dass sie brauchen ist halt nur das Mindestmaß um Menschenleben zu retten.

00:24:17: Und wir appellieren da auch an die Bundesregierung, ja die humanitäre Hilfe wieder aufzustocken insbesondere für Sudan.

00:24:24: Und gleichzeitig wurden bei der Konferenz nicht nur humanitärer Hilfe zugesagt sondern auch Mittel aus dem BMZ also dem Entwicklungszusammenarbeitsministerium.

00:24:35: und das ist auch sehr wichtig weil Sudan ein sehr heterogenes und auch ein sehr großes Land ist und in manchen Gebieten wird aktuell nicht mehr aktiv gekämpft.

00:24:46: Und dort können wir schon mit kleinen Wiederaufbau-Maßnahmen in ganz enger Zusammenarbeit, mit der lokalen Zivilgesellschaft also nicht mit den Konfliktparteien selbst ist ganz wichtig.

00:24:58: Dort wieder langsam anfangen Infrastruktur aufzubauen damit auch humanitäre Bedarfe sich nicht weiter verschärfen.

00:25:06: und es ist sehr wichtig dass je nach Region, je nach Kontext unterschiedliche Maßnahmen anbieten.

00:25:12: Weil der Kontext einfach so divers ist.

00:25:17: Nur möchte ich auf den humanitären Zugang eingehen weil das wirklich für uns... Das ist auch der zentrale Punkt, der bei der Konferenz nicht gelöst werden konnte.

00:25:27: Und tatsächlich auch nicht bei den Konferenzen die Jahre davor.

00:25:30: Es gab früher eine Konferens in Paris und letztes Jahr in London.

00:25:35: Und das bleibt leider seit Tag eins von diesem Konflikt eine Lehrstelle.

00:25:42: der Zugang zu Hilfe systematisch eingeschränkt wird von allen Konfliktparteien.

00:25:48: Und das bedeutet für uns ganz konkret als humanitäre Organisation, dass wir sehr viel Zeit, sehr viele Ressourcen und Expertise in Zugangsbehandlungen reinstecken müssen.

00:25:58: Wir sind also in sehr viel Kontakt mit den verschiedenen Autoritäten um den Zugang erhalten, den wir benötigen, um die Menschen zu versorgen.

00:26:09: Das gelingt uns zum Glück und wir sind im ganzen Land aktiv, aber mit der Zeit und den Ressourcen könnten wir natürlich viel besser die Menschen direkt erreichen.

00:26:20: Und in manchen Gebieten ist es uns leider auch nicht möglich die Menschen zu erreichen.

00:26:24: In Sudan gibt es einige Städte wochen monatelang belagert werden, wo Menschen überhaupt keinen Zugang haben zu Strom, zu Wasser, zu Nahrungsmitteln und komplett abgeschottet sind.

00:26:39: Und ja das darf einfach nicht sein und sprich gegen das humanitäre Völkerrecht.

00:26:45: Wir arbeiten auch sehr eng mit lokalen Netzwerken insbesondere den Emergency Response Rooms die auch bei der Konferenz eingeladen waren und dort ein sehr wichtiges Statement Vortragen konnten.

00:26:58: Weil das sind tatsächlich die Netzwerke, die den besten Zugang haben weil sie einfach so stark verankert sind in den jeweiligen Communities.

00:27:08: Sie bieten Suppenküchen an aber auch Schutzräume für Frauen und Kinder und deswegen unterstützen wir sie auch bei ihrer Arbeit als große internationale humanitäre Organisationen.

00:27:19: Und deswegen ist es auch wichtig dass das bei der Konferenz auch ein Schwerpunkt war gerade wie man lokale Organisation ja zum einen besser unter Sturz finanziell?

00:27:27: aber auch schützt, weil leider die Angriffe gegen humanitäre Helfenden immer weiter zunehmen.

00:27:35: Was wir jetzt erwarten von der Bundesregierung und den anderen Organisatoren dieser Konferenz ist, dass man auf dem, was in Berlin gesagt wurde, was sich im Abschussstatement wiederfindet, darauf aufbaut, das ist noch kein Ergebnis.

00:27:52: Insbesondere Druck auf die Konfliktparteien ausübt.

00:27:56: Zugang zuzulassen, darauf einwirkt dass das einen Bestandteil des humanitären Völkerrechts ist und Menschenleben rettet.

00:28:05: Gleichzeitig aber auch auf die Unterstützer der jeweiligen Konfliktparteien einwirgt dort dementsprechend dann auch Druck auszuüben.

00:28:14: Und wir hoffen dass das weiter verfolgt wird in

00:28:16: den nächsten Monaten Wie lange in der Emergency Watchlist sprecht ihr von einer neuen Weltunordnung?

00:28:24: Was meint ihr damit und was bedeutet das aus eurer Perspektive generell für die Handlungsräume humanitärer Organisationen?

00:28:35: Ja, was wir in der Emergency Watchlist tun ist dass wir aufzeigen.

00:28:39: Das ist eine wirklich sehr... alarmierende Zuspitzung von humanitären Krisen gibt.

00:28:45: Also wir sehen auf der einen Seite, dass bewaffnische Konflikte immer länger dauern und tatsächlich auch tödlicher werden weil es immer mehr Gewalt gegen Zivilistinnen gibt Und geopolitisch verschiebt sich gerade auch sehr viel.

00:28:58: das ist ja auch tatsächlich in den Medien häufiger Thema und ich darf jetzt auch keine neue Informationen aber Wir schauen in der Emergency Watchlist ganz genau dahin.

00:29:10: Was ist denn eigentlich an Auswirkungen für die zivilbevölkerung in humanitären Kontexten bedeutet?

00:29:16: Weil das, was wir beobachten sind, dass es zwar Diskussionen gibt über diese neue Weltunordnung oder eine neue Weltordnung.

00:29:24: Aber sehr selten darauf geschaut wird, was das wirklich für die Menschen bedeutet in diesen Kontextien und das ist ein Ziel auch von der letzten Emergency Watch List gewesen.

00:29:36: Natürlich müssen wir aber auch sagen Ja, bisherige Weltordnung auch immer Verlierer hatte.

00:29:42: Insbesondere im globalen Süden gibt es bestimmt einige die ja nicht damit einverstanden waren wie's auch bisher ablief.

00:29:50: aber was wir jetzt sehen ist dass sich viele Machtungleichheiten halt immer noch weiter verschärfen und das ist vor allem die Zivilbevölkerung die den Preis dafür zahlt.

00:30:01: Vielleicht ein schockierender Fakt ist, dass die Zahl bewaffneter Konflikte aktuell einen historischen Höchststand erreicht hat.

00:30:09: Also wir haben seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so viele verschiedene bewaffnnete Konflichte gehabt und ein Kernproblem ist das ja auch neue Kriege natürlich beginnen Aber tatsächlich auch immer weniger Kriege enden.

00:30:26: Wir sehen einen sehr deutlichen Rückgang von umfassenden Friedensabkommen, die an die strukturellen Ursachen von Konflikten rangehen und diese adressieren.

00:30:36: Es gibt dann zwar immer wieder so Deals- und Waffenruhen oder Waffennstillstände aber dort sehen wir auch dass sie nicht wirklich stabil sind und leicht wieder zerbrechen können.

00:30:47: Und es mangelt halt eben an diesen umfassenen Friedens Abkommen.

00:30:53: Dazu kommt, dass Konflikte immer schwerer zu lösen sind heutzutage.

00:30:57: Wir sehen das auch immer mehr Akteuren mit Mischen und unterschiedlichsten Interessen.

00:31:03: Und nicht unbedingt immer Interesse haben, dass konflikte enden, sondern stark davon profitieren können.

00:31:10: Zu diesen großen traditionellen Staaten mit sehr viel Wirkungsmacht wie zum Beispiel den USA aber auch Russland oder China drehen nun auch immer regionale Mächte, die ebenfalls Einfluss haben und den Geld machen wollen.

00:31:26: Und ihre Interessen verteidigen.

00:31:30: Dazu ziehen zum Beispiel die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate Saudi-Arabien oder Qatar Ja, da gibt es auch noch keinen klaren Umgang.

00:31:40: Das sind auch insbesondere Staaten die in humanitären Kontexten wie zum Beispiel Sudan eine sehr große Rolle spielen und das sind tatsächlich diese Staaten, die den besten Einfluss haben auf die Konfliktparteien und nicht unbedingt die USA oder ja die Bundesregierung oder die Europäische Union und das muss auf jeden Fall mitgedacht werden.

00:32:01: Insgesamt sehen wir auch, dass es einfach immer weniger Konsequenzen gibt wenn das humanitäre Völkerrecht gebrochen wird.

00:32:07: Ich sprach ja auch über die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung gerade in Sudan und auch gerade gegen Frauen und Mädchen Und uns erreichten auch Geschichten von Massakarn aus dem Sudan Und wir sehen dann einfach nicht, dass es einen sehr großen Aufschrei gibt oder dass sich Unterstützer von den Konfliktparteien genötigt sind.

00:32:29: Die Unterstützung einzustellen und die Konflikpartei unter Druck zu setzen.

00:32:33: Sondern das geht halt weiter und sendet natürlich auch ein Signal an andere Konflektparteen weltweit, dass man nicht ihre Völkerrecht brechen kann, die Zivilbevölkerung angreifen kann und dann ohne Konsequenzen bleibt.

00:32:47: Wenn du jetzt zurückblickst auf den fünften April, als diese Sudan-Konferenz hier in Berlin stattgefunden hat.

00:32:54: Du hast auch schon das Kommunikäe angesprochen der fünffünfzig Teilnehmer, Organisationen und Staaten.

00:33:01: Würdest du sagen dass es trotzdem ein wichtiger Schritt war um diesen Nexus aus humanitärer Hilfe Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung?

00:33:14: wichtigen Impuls zu geben?

00:33:16: oder ist der Konflikt einfach im Moment so eskaliert, dass solche Konzepte die es ja gibt das einfach nicht zum Zugekommen können?

00:33:27: Oder wie würdest du das bewerten.

00:33:30: Ja also ich glaube es war auf jeden Fall ein sehr positives Signal, dass insbesondere von Seiten Deutschlands sowohl das Auswärtige Amt vertreten war, die natürlich Hauptorganisator dieser Konferenz waren aber halt auch das BMZ eine sehr wichtige Rolle eingenommen hat bei dieser Konferenz und auch eine eigene Session beim humanitären Teil der Konferenzen organisiert hat.

00:33:54: Und da geht es insbesondere um diese Kontexte, die ich vorhin ja auch schon angesprochen habe wo wir langsam wieder anfangen können Infrastruktur wieder aufzubauen.

00:34:03: Das ist dadurch wichtig weil... Wir haben zum Beispiel vor ein paar Monaten einen sehr starken Anstieg von cholera Fällen gesehen und das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Wasserinfrastruktur völlig zerstört ist.

00:34:18: Und das ist aber nichts was durch die humanitäre Hilfe abgedeckt wird.

00:34:21: also da brauchen wir dann das BMZ um das zu finanzieren und uns dabei auch zu unterstützen.

00:34:27: Insgesamt ist es so, dass es eine klassische Rollenaufteilung gibt.

00:34:32: Es gibt auf der einen Seite die humanitäre Hilfe, die sehr schnelle und lebensrettende Hilfe leisten muss.

00:34:39: Auf der anderen Seite haben wir teilweise noch sehr klassische Entwicklungszusammenarbeit, die im BMZ verantwortet wird.

00:34:49: Die klassische EZ ist eher auf langfristige Partnerschaften mit staatlichen Partnern ausgerichtet und auch insbesondere Armutsbewältigung ausgerichtet.

00:35:01: Also eigentlich viel weniger für akute Krisensituation geeignet, wir sehen aber dass dieses Konzept einfach nicht mehr zeitgemäß ist weil Wenn wir uns anschauen, wo die Menschen, die sich in extremer Armut befinden leben.

00:35:14: Dann ist der Großteil in fragilen Staaten und in Staaten, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind.

00:35:23: Und deswegen muss man umdenken und viel mehr an dieser Schnittstelle arbeiten genau zwischen humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit.

00:35:32: Ja, und wir arbeiten halt insbesondere genau an diese Schnittstellen.

00:35:37: Das BMZ verfügt da über einen sehr starkes Instrument, wofür wir uns auch immer sehr einsetzen, dass das weitergeführt wird und das ist die Übergangshilfe.

00:35:46: Also der Name erklärt es vielleicht schon so ein bisschen und das sitzt genau zwischen der humanitären Hilfe und der staatlichen EZ.

00:35:57: zum Beispiel Organisationen wie IAC aber auch UN-Organisation setzen über das BMZ dann Programme um, die über die humanitäre Hilfe hinausgehen Strukturbildende Programme anbieten können.

00:36:10: Das ist insbesondere wichtig, damit wir auch an die Ursachen von humanitären Bedarfen rangehen – auch in Kontexten wo es sehr schwierig ist und wo es keine staatlichen Partner gibt oder keine Partner mit der die Bundesregierung Regierungsverhandlungen aufnehmen will.

00:36:24: aber trotzdem kann man somit weiter ganz eng mit der Bevölkerung und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten um die humanitäre Bedarfe weiter einzudämmen.

00:36:37: euch gibt es jetzt drei neunzig Jahre.

00:36:39: ihr geht also auf ein sehr rundes jubiläum zu habt sehr viel erfahrung international gesammelt vor dem hintergrund der krisen vielfalt die wir besprochen haben der sinkenden mittel die für die humanitäre hilfe weltweit zur verfügung gestellt werden.

00:36:56: welche handlung empfehlung würdest du Trotzdem aus dem Hut zaubern, aus eurer Organisationsarbeit.

00:37:05: Aus deurer Erfahrung heraus und woran hapert es vielleicht bei der konkreten Umsetzung?

00:37:12: Unser Team ist sehr groß und wir decken verschiedene Themen ab Und auch ich deckt verschiedene Themen Ab und hab verschiedene Handlungsempfehlungen.

00:37:22: Aber vielleicht können wir uns auf drei Bereiche einmal konzentrieren Und ich glaube, der erste Bereich ist wirklich humanitärer Zugang und Schutz der Zivilbevölkerung.

00:37:31: Weil wir einfach sehen welche Einschnitte es gibt, welche Gewalt es gibt in den vielen Kontexten, in denen ISC arbeitet.

00:37:39: So dann ist da vielleicht das krasseste Beispiel aktuell.

00:37:43: aber wie sehen das auch uns sehr viele anderen Kontexte?

00:37:46: Wir setzen uns dafür ein, dass die deutsche Bundesregierung ihre Arbeit und auch ihre Expertise im Bereich humanitäre Diplomatie immer weiter ausbaut.

00:37:56: Und auch stärkt!

00:37:58: Dass diese Expertise auch wirklich weiter erhalten bleibt, selbst in Zeiten wo dann vielleicht das Budget zurückgeht.

00:38:05: Dazu gehört auch, dass es eine sehr klare Haltung der deutschen Bundesregierung geben muss gegenüber Akteuren, die das Humanitäre Völkerrecht brechen.

00:38:15: Wir setzen uns auch dafür ein, dass humanitäre Ziele nicht nur im Auswärtigen Amt besprochen werden.

00:38:21: Und humanitärer Diktomatie nicht nur in dem Auswärtigem Amt gesprochen wird.

00:38:26: Ich glaube wir wissen alle mittlerweile das Außenpolitik nicht nur gemacht wird sondern aktuell auch im Kanzleramt Wirtschaftsministerium und natürlich auch im Nationalen Sicherheitsrat beispielsweise den wir jetzt auch haben in Deutschland Und wir setzen uns dafür ein, dass auch dort humanitäre Belange, humanitere Ziele überhaupt erst mal auf die Agenda kommen.

00:38:50: Das wäre glaube ich schon gut und das wir vielleicht auch ein bisschen mehr Transparenz haben was in diesen Häusern besprochen wird und dass es eher ja ein Ressort übergreifender Ansatz ist und nicht nur im auswärtigen Amt Einzug findet.

00:39:03: Der zweite Punkt, auf den bin ich auch eben schon eingegangen ist diese Rolle von neuen Regionalmächten.

00:39:09: Also wie zum Beispiel die Türkei aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate Die ja generell in der Außenpolitik eine immer größere Rolle beanspruchen Aber insbesondere die Goldstaaten auch immer mehr Gelder in das humanitäre System geben Natürlich mit ganz anderen Zielsetzungen und vielleicht auch anderen Vorstellungen als jetzt europäische Staaten.

00:39:31: Und ich glaube, das muss einfach noch mehr den Blick genommen werden und hier auch daher das Plädoyer, dass auch in anderen Politikbereichen das mitgedacht werden muss.

00:39:41: also ich glaube es fügt sich ganz gut zusammen und man dort auf jeden Fall auch den Einfluss nutzen muss, den Deutschland ja hat um halt auch diese Staaten dazu zu bewegen, eher eine deeskalierende Rolle einzunehmen in bestimmten Konflikten.

00:39:55: Stadtkonflikte immer weiter anzufeuern was wir aktuell leider sehen.

00:40:01: Und der dritte Punkt ist die Finanzierung, darüber wir auch gesprochen haben.

00:40:06: Ich kann nicht anders als den Appell noch mal alle zu richten.

00:40:09: Vielleicht hören uns ja auch ein paar Bundestagsabgeordnete dazu da wirklich nachzubessern und nachzuziehen und die Finanzierungen wieder aufzustocken weil wir einfach sehen dass sie nicht ausreicht.

00:40:22: versorgen können, die Hilfe benötigen und auch nicht alle Menschen retten können.

00:40:26: Die eigentlich Hilfe benütigen.

00:40:28: Daher ist es der zentrale Punkt uns besonders wichtig.

00:40:33: Das war ein sehr passendes Schlusswort.

00:40:36: Ein flammender Appell, der sehr wichtig ist in der aktuellen Situation über die wir jetzt viel gehört haben.

00:40:43: von dir ganz herzlichen Dank dass du uns bekannt gemacht hast mit dieser wichtigen Organisation, diese alt-erwürdige Organisation und mit eurer Arbeit die ihr seit zehn Jahren leistet.

00:40:54: Weiterhin ganz viel Erfolg und herzlichen Dank dass du im Podcast Menschenrechte nachgefragt der politischen Meinung der Konrad Adenauer Stiftung zu Gast warst.

00:41:04: wir sind zwar noch nicht hundert Jahre alt aber wir gehen auf die Hundertste Folge zu.

00:41:08: Ich bin gespannt, wer als Special Guest eingeladen wird.

00:41:12: Und vielen Dank, dass ich hier sein durfte!

00:41:14: Ganz herzlichen Dank!